Noch nie seit dem 7. Oktober 2023 war ein Ende des Gazakrieges in so greifbarer Nähe, noch nie war die Hoffnung in Israel so groß, dass alle verbleibenden Geiseln aus der Gewalt der Hamas freikommen.
Doch die Nachricht von der bevorstehenden Rückführung der Geiseln löst auch gemischte Gefühle aus.
Rachel Goldberg, Angehörige:
»Sofort erhielt ich Nachrichten von sieben Familienangehörigen der Geiseln, deren geliebte Menschen nach Hause zurückkehren werden. Dann erhielt ich zwölf Nachrichten von Menschen, die auch wissen, dass ihre Angehörigen nach Hause zurückkehren werden, allerdings nicht lebend. Sofort war da diese Zerrissenheit, wie man mit diesen Gegensätzen umgehen soll.«
Rachel Goldberg ist die Mutter von Hersh Goldberg-Polin. Der 23-Jährige wurde vor über einem Jahr zusammen mit fünf anderen Geiseln in einem Tunnel im Süden des Gazastreifens von seinen palästinensischen Entführern erschossen.
Monatelang kämpften die Goldbergs gemeinsam mit weiteren Aktivisten um die Rückkehr ihres Sohnes und der anderen Geiseln. Dieser Kampf könnte jetzt ein Ende haben.
Rachel Goldberg, Angehörige:
»Wir hoffen, dass wir jetzt vielleicht an einem Neubeginn stehen, an dem wir uns auf die Trauer, den Verlust und den Schmerz konzentrieren können. Wir waren in diesem Kampf, in diesem Wettlauf, in dem wir versucht haben, die enorme, unermessliche Qual zu mildern. Und vielleicht haben wir jetzt mehr Energie, um uns genau darauf zu konzentrieren. Andererseits ist das auch sehr beängstigend. Es ist einschüchternd. Aber wir haben keine Wahl.«
Im von der Hamas und Israel beschlossenen Friedensplan steht die Geiselfreilassung an erster Stelle. Die US-Regierung hatte betont, dass dies absolute Priorität habe. Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, von denen nach israelischen Informationen noch 20 am Leben sind. Die Rückkehr soll vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz ohne öffentliche Zeremonie und ohne anwesende Medienvertreter organisiert werden.
Ein historischer Moment – für viele Menschen wird er voller Freude sein. Für einige kommt er zu spät.