Krieg in Nahost Trump verkündet zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon
Rauch über einem Gebiet im Südlibanon
Foto: AFPIsrael und der Libanon haben sich laut Donald Trump auf eine zehntägige Waffenruhe verständigt. Sie soll noch am Donnerstag in Kraft treten, schreibt Trump auf seinem Netzwerk Truth Social . Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bestätigte wenig später eine Waffenruhe.
Trump schreibt in seinem Beitrag, dass er ein »exzellentes« Gespräch mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und Netanyahu geführt habe. In seiner Nachricht kündigte Trump an, die beiden Staats- bzw. Regierungschefs ins Weiße Haus einladen zu wollen. Zuvor hatte die libanesische Präsidentschaft ebenfalls von einem Telefonat berichtet, jedoch nur zwischen Aoun und Trump.
In einer Videobotschaft sagte Netanyahu, er habe einer Waffenruhe im Libanon zugestimmt. Eine zentrale Forderung sei die Zerschlagung der Hisbollah-Miliz, bekräftigte er. Israel stimme der Forderung der Hisbollah nach einem Rückzug aus dem Südlibanon bis an die Grenze zu Israel nicht zu. Vielmehr werde Israel eine »weitreichende Sicherheitszone« einrichten. Trump habe ihm außerdem versichert, schrieb Netanyahu, er sei entschlossen, die Blockade der Straße von Hormus fortzusetzen und die nuklearen Fähigkeiten Irans zu zerstören.
Benjamin Netanyahu und Donald Trump im Dezember
Foto: Jonathan Ernst / REUTERSDie Hisbollah ließ zunächst offen, ob sie sich an die Waffenruhe halten wird. Jede Waffenruhe müsse »umfassend für das gesamte libanesische Gebiet« gelten und dürfe keinerlei Truppenbewegungen Israels zulassen, teilte die proiranische Miliz mit. »Die anhaltende israelische Besatzung auf unserem Land gibt dem Libanon und seinem Volk das Recht, Widerstand zu leisten«. Über diese Frage – also über den weiteren Kampf gegen Israel – werde »je nach Entwicklung der Ereignisse entschieden«.
Die Nachbarstaaten Israel und Libanon sind verfeindet und befinden sich offiziell im Kriegszustand, wenn Israel auch betont, im Libanon gegen die Hisbollah zu kämpfen. Die libanesische Regierung ist keine aktive Kriegspartei und bemüht sich um Deeskalation. Zugleich macht sie Israel schwere Vorwürfe wegen der anhaltenden Angriffe im Libanon, bei denen nach offiziellen Angaben seit Beginn des Irankriegs Ende Februar mehr als 2000 Menschen getötet wurden. Die Hisbollah lehnt Gespräche zwischen der Regierung und Israel ab.
Am Dienstag waren die Botschafter Israels und des Libanon in Washington erstmals seit Jahrzehnten zu direkten politischen Gesprächen zusammengekommen. Daraufhin hieß es, dass auch Netanyahu und Aoun telefonieren sollen. Am Donnerstag erteilte Beirut dem aber eine Absage; Berichten zufolge informierte die libanesische Botschaft in Washington die US-Regierung darüber, dass Aoun nicht mit Israels Premier sprechen wolle. Inwiefern sich das durch einen diplomatischen Vorstoß Trumps änderte, ist unklar.
Die Lage im Libanon blieb derweil angespannt: Am Mittwoch hatten sich Israels Militär und die Hisbollah erneut beschossen. Die von Israel im Südlibanon besetzte »Sicherheitszone« soll ostwärts bis zu den Hängen des Bergs Hermon erweitert werden. Dort will Israel eigenen Angaben zufolge den verbündeten Drusen, einer religiösen Minderheit, in ihrer »Notlage« helfen. Das Bergmassiv des Hermon erstreckt sich entlang der syrisch-libanesischen Grenze. Im Süden endet es auf den von Israel annektierten Golanhöhen.
Im Libanon befürchtet man eine dauerhafte Besetzung des Gebiets; entsprechende Forderungen gibt es etwa vom rechtsextremen israelischen Finanzminister Bezalel Smotrich.
Wie Israels Premier Netanyahu trotz einer Waffenruhe ohne Vorwarnung die verheerenden Angriffe auf Stadtteile von Beirut befahl, lesen Sie hier .