Sie nennen ihn den »War Room« – eine Art Lagezentrum für den Kriegsfall. Von hier aus suchen derzeit rund 450 freiwillige israelische Helferinnen und Helfer nach Geiseln, die von der Hamas verschleppt wurden.
Viele der Freiwilligen kommen aus dem IT- und Cyber-Sektor, der in Israel besonders gut ausgebaut ist. Seit dem Terror-Angriff der Hamas vor neun Tagen lassen sie ihre reguläre Arbeit ruhen, um den Aufenthaltsort der Entführten zu ermitteln. Es gibt immer noch über 1000 Vermisste.
Karine Nahon, Leiterin Zivilistensuche:
»Wir haben Teams, die mit Technologien wie KI, Gesichts- und Stimmerkennung arbeiten und versuchen, Bewegungsmuster und all diese Dinge abzugleichen. Auf der anderen Seite haben wir Leute, die sich mit sozialen Netzwerken beschäftigen.«
Die Helfer suchen und sichten auf Social-Media-Fotos und Videos, die die Vermissten vor der Attacke gepostet haben, sowie Aufnahmen, die von den Hamas-Terroristen veröffentlicht wurden.
Karine Nahon, Leiterin Zivilistensuche:
»Es gab ein Video von einem Mann, sitzend. Die Hamas-Terroristen filmten ihn von oben. Wir konnten sehen, dass er unversehrt war. Eine Sache die uns auffiel, war seine Unterwäsche. Es war eine ganz besondere Unterwäsche. Die Leute, die das Video analysierten, haben es mit Hunderttausenden von Videoaufzeichnungen abgeglichen, die wir innerhalb der Hamas haben und die neu reinkommen. Nach etwa zwei Tagen hatten wir einen Treffer. Wir fanden die gleiche Unterwäsche an einer Person, deren Gesicht wir nicht sehen konnten. Aber wir sahen, dass er blutete. Im Video davor hat der Mann nicht geblutet. Als er in Gaza war, blutete er aber, und so konnten wir ihn anhand der Unterwäsche identifizieren.«
Am Montagabend veröffentlichte die Hamas erstmals ein Video einer mutmaßlichen Geisel. Die junge Frau sagt, sie sei aktuell in Gaza und dort in einem Krankenhaus behandelt worden. Man möge sie so schnell wie möglich rausholen. Die Identität der 21-Jährigen wurde von ihrer Familie bestätigt.
Keren Shem, Mutter:
»Gestern habe ich meine Kleine im Fernsehen gesehen. Ich kann sehen, dass sie lebt. Ich hatte Gerüchte gehört, dass ihr in die Schulter oder ins Bein geschossen wurde. Ich kann sehen, dass sie an der Schulter angeschossen wurde. Ich flehe die Welt an, meine Kleine nach Hause zu bringen. Sie ist einfach nur zu einer Party, einem Festival, gefahren, um Spaß zu haben und jetzt ist sie in Gaza.«
Bruder:
»Wir sagen nur eine Sache: Wir wollen, dass Mia und alle Geiseln, die in Gaza gefangen gehalten werden, wieder nach Hause können. «
Zurück im War Room, aus dem mittlerweile auch die israelische Regierung Informationen bezieht. Hunderte Menschen konnten durch die IT-Spezialistinnen und -spezialisten bereits lokalisiert werden. Doch die Hamas beginnt, rückwirkend ihre Videos zu löschen.
Karine Nahon, Leiterin Zivilistensuche:
»Zum Beispiel gab es ein Live-Video, in dem zu sehen war, wie sie verschiedene Räume betreten und Kinder töten – schreckliche Bilder. Und was sie jetzt tun, ist, dass sie ein Video nach dem anderen löschen. Denn sie wissen, dass wir das überwachen und die Videos analysieren.«
Rund 200 Geiseln sollen aktuell in der Hand der Hamas-Terroristen sein. Mindestens 22 sind angeblich bei israelischen Luftangriffen in Gaza getötet worden – das zumindest behauptet die Hamas. Auch deshalb ist die Suche der Helfer ein Wettlauf mit der Zeit.