Japan: Steuerbehörde will, dass junge Menschen mehr Alkohol trinken - DER SPIEGEL
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Um die Wirtschaft anzukurbeln Japan ermuntert junge Menschen, mehr Alkohol zu trinken

Im Coronajahr gab es einen Einbruch bei Alkoholverkäufen in Japan. Der Trend, dass junge Leute weniger trinken, ist jedoch unabhängig von der Pandemie. Die Steuerbehörde will mit einer Kampagne gegensteuern.
Links liegengelassen: Eine Frau geht an einer Bar in Tokio vorbei
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Takashi Aoyama / Getty Images

Alkohol ist nicht mehr cool. Das ist eine der Erkenntnisse aus der Coronapandemie. Eigentlich lässt sich daran nicht viel Schlechtes finden: Alkohol ist gesundheitsschädlich, zudem kann er abhängig machen. Aber in Japan sieht man das etwas anders.

Die japanische Regierung fordert junge Menschen auf, mehr Alkohol zu trinken. Mit der »Sake Viva!«-Kampagne sollen Vorschläge gesammelt werden, wie die Popularität alkoholischer Getränke gesteigert werden kann. Zuerst berichtete der »Guardian« darüber.

Hinter der Kampagne steht die japanische Steuerbehörde, die National Tax Agency. Ihr geht es ums Geld: Seit 1980 ist der Anteil von Alkoholverkäufen an den japanischen Steuereinnahmen von fünf Prozent auf 1,7 Prozent im Jahr 2020 gesunken. Im Coronajahr fielen die Einnahmen um mehr als 110 Milliarden Yen auf 1,13 Billionen Yen, umgerechnet ein Rückgang um 800 Millionen auf 9,5 Milliarden Euro.

Als Gründe für den Rückgang, der bereits in den Achtzigern eingesetzt hat, gilt neben der Coronapandemie der sinkende Konsum junger Menschen. Auf der Webseite der Kampagne wird als Grund dafür die demografische Veränderung in Japan genannt. In Japan trifft eine der niedrigsten Geburtenraten auf eine der höchsten Lebenserwartungen. Laut Weltbank  gibt es in Japan in der Bevölkerung prozentual mehr Menschen, die mindestens 65 Jahre alt sind, als sonst irgendwo auf der Welt.

Gewissermaßen stirbt also den Produzenten alkoholischer Getränke die Kundschaft weg.

Bierkonsum sinkt deutlich

Das schlägt sich vor allem auf den Bierkonsum nieder: Wie die »Japan Times« berichtet , sank der Bierkonsum im Geschäftsjahr 2020, das im März 2021 endete, um mehr als 20 Prozent. Ein Problem sei laut der Steuerbehörde darüber hinaus, dass viele Menschen bierähnliche Getränke mit niedrigem Malzgehalt trinken, auf die eine geringere Steuer entfällt.

Für 2021 rechne man zwar mit einem Anstieg der Einnahmen aus der Alkoholsteuer um 3,7 Prozent, hieß es. Der Abwärtstrend sei insgesamt aber eindeutig, hieß es. Und das ist kein rein japanisches Ereignis.

Zumindest, wenn es nach Umfrageergebnissen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geht. Demnach sank der Alkoholkonsum in Deutschland bei Jugendlichen im vergangenen Jahr auf einen Tiefstand. 32 Prozent der 18- bis 25-Jährige trinken nach den Daten regelmäßig, Ende der Siebzigerjahre waren es noch 66 Prozent, vor zehn Jahren lag der Anteil bei 40 Prozent.

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In Japan möchte man nun gegensteuern – zugunsten der Wirtschaft.

Im Rahmen der Kampagne, die noch bis zum 9. September läuft, werden nun »neue Produkte und Designs« gesucht. Auch das Trinken in den eigenen vier Wänden soll beworben, darüber hinaus sollen Vertriebsmethoden etwa durch Künstliche Intelligenz und dem Metaverse  etabliert werden, heißt es auf der Webseite. Einzige Einschränkung: Die Pläne müssten sich auf japanische Getränke beziehen. Finalisten sollen im November nach Tokio eingeladen werden.

Ein kleines Aber kommt zumindest aus dem Gesundheitsministerium. Laut dem »Guardian« teilte es mit, dass die Kampagne die Menschen hoffentlich auch daran erinnere, nur »angemessene Mengen an Alkohol« zu trinken.

hba