Es hagelt, es stürmt, es fällt sintflutartiger Regen - nach mehreren Jahren außergewöhnlicher Dürre erlebt Kalifornien nun das gegensätzliche Extrem: Seit Dezember hat eine Serie von schweren Winterstürmen dem US-Bundesstaat außergewöhnlich viel Niederschlag gebracht und für Zerstörung gesorgt.
Anwohner
»Ich wohne direkt hier an dieser Ecke. Ich habe gerade Kaffee getrunken, da habe ich ein Geräusch gehört und das ganze Gebäude hat gewackelt.«
Nach Angaben der kalifornischen Umweltbehörde setzt der Klimawandel dem Westküstenstaat, in dem rund 40 Millionen Menschen leben, immer mehr zu.
Anwohnerin
»Dass diese riesigen Redwoodtrees einfach umfallen, kennen wir so nicht.«
In dem sonnenverwöhnten Staat wurden in den vergangenen Wochen Niederschlagsrekorde gemeldet, in manchen Gegenden ist in wenigen Wochen mehr Regen gefallen als sonst durchschnittlich im ganzen Jahr.
Alexander Demling, DER SPIEGEL:
»Jetzt ist das so ein Dauerfeuer an Katastrophen, die irgendwie dann doch sehr stark in den Alltag einsickern.«
Denn eigentlich leidet Kalifornien regelmäßig unter extremer Hitze, Dürre und Waldbränden.
Alexander Demling, DER SPIEGEL:
»Wir haben uns jetzt jahrelang über Wassermangel unterhalten. Es war Dürre. Man hat sich gefragt, ob Kalifornien, was ja auch ein großer Agrarstaat ist, mit Mandel-Anbau und allen möglichen Zitrusfrüchten, ob das überhaupt noch überleben kann. Wir hatten permanent Waldbrände. Ich erinnere mich 2020, wo man wirklich an vielen Tagen im Sommer überhaupt nicht rausgehen konnte, weil die Luft so schlecht war, wirklich Asche in der Luft lag. Und das schwingt jetzt komplett um im Moment: Es regnet ständig, was einerseits für diese dürre Situation durchaus gut ist. Die Wasserspeicher füllen sich wieder. Aber es ist eben schwer, eine Infrastruktur, die ohnehin brüchig ist, auf diese extremen Umschwünge einzustellen. Ein paar Jahre so und dann paar Jahre plötzlich so. Gefühlt ist es das genaue Gegenteil.«
Im November 2022 haben Wissenschaftler der kalifornischen Umweltbehörde ein düsteres Bild für die Zukunft des Golden State gezeichnet: Die Folgen des Klimawandels würden sich kaskadenartig durch das gesamte Ökosystem ausbreiten und sich dabei gegenseitig verstärken. Für die Menschen bedeutet das eine veränderte Lebenssituation.
Alexander Demling, DER SPIEGEL:
»Jetzt ist es so: Man muss sich eigentlich jedes Jahr darauf einstellen, dass etwas ist. Man muss zum Beispiel als Eltern im Sommer überlegen, flieht man für ein paar Monate in ein Gebiet, wo die Luft besser ist? «
Dabei ist Kalifornien in den USA Vorreiter bei den Klimaschutzmaßnahmen: Ab 2035 sollen beispielsweise keine neuen Verbrennerautos mehr verkauft werden, spätestens 2045 will der Staat klimaneutral sein. Für die selbst gesetzten Klimaziele reichen aber auch die ambitioniertesten Maßnahmen nicht aus. Laut einer Studie der University of California in Los Angeles wurde durch die verheerenden Waldbrände allein im Rekordjahr 2020 so viel Kohlenstoff freigesetzt, dass es die Reduzierung der Treibhausgasemissionen seit 2004 im Grunde wieder zunichte gemacht hat.
Alexander Demling, DER SPIEGEL
»Dass man quasi sich eingesteht, bestimmte Gebiete wird man nicht mehr vor dem Klimawandel retten können - da wird das irgendwie sehr konkret. Selbst für meine Generation, Klimawandel ist ein großes Thema, aber dass man das wirklich so vor Augen hat: Okay, an dieser Stelle sollte man besser kein Haus mehr bauen, denn das ist in ein paar Jahren nicht mehr da. Das ist schon krass.«
In wenigen Wochen endet die Regensaison im Westküstenstaat, dann dürfte es schon bald wieder heiß und trocken werden.