Sudan Der vergessene Krieg
Wie eine schwarze Wunde liegt Rauch über Faschir, einer Stadt im Südwesten Sudans. Die Satellitenbilder bestätigen, was Uno-Beobachter schon lange befürchten: In der sudanesischen Region Darfur und im angrenzenden Kurdufan spielen sich Gräueltaten ab. Und Faschir, die letzte Bastion in der Region, die sich bislang nicht unter der Kontrolle der RSF-Miliz befand, ist in eine »noch dunklere Hölle« gestürzt – so beschreibt es der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher.
Etwa 300.000 Menschen sind wochenlang im Kessel von Faschir eingeschlossen gewesen, bis Sudans Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan den Abzug der Armee aus der Stadt bekannt gibt. Die Einnahme durch die RSF-Miliz könnte einen Wendepunkt in dem Krieg markieren, der seit zweieinhalb Jahren tobt. Angeführt von Mohamed Hamdan Daglo Hemeti, kontrolliert die Miliz inzwischen Darfur und weite Teile Kurdufans. Bereits im Frühjahr verkündete sie die Bildung einer eigenen Regierung; viele Experten erwarten, dass sich der Sudan teilt. Bei ihrem Vormarsch in Faschir richtet die RSF ein Blutbad an. Viele Leichen liegen ungeborgen in den Straßen, Kommunikationsnetze sind zusammengebrochen.
Die sudanesische Armee spricht von mehr als 2000 getöteten Zivilisten, die meisten von ihnen »Frauen, Kinder und Ältere«. Eine Viertelmillion Menschen in Faschir, die Hälfte von ihnen Kinder, hätten seit Monaten nur unzureichend Lebensmittel, Wasser und medizinische Versorgung erhalten. Der Hunger ist allgegenwärtig, viele Kinder sind akut mangelernährt. Krankenhäuser sind zerstört oder aufgegeben.
Der Krieg im Sudan ist derzeit die größte humanitäre Krise weltweit. Rund 13 Millionen Menschen mussten flüchten, etwa die Hälfte der Bevölkerung leidet Hunger. Trotzdem hat die Welt lange Zeit weggeschaut.