Ukraine-Krieg: Kreml lobt Friedensgespräche mit US-Unterhändlern - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Vorstoß im Ukrainekrieg Kreml lobt Friedensgespräche mit US-Unterhändlern

Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Trump, und Steve Witkoff haben mit Wladimir Putin gesprochen, diesen Sonntag treffen sie Wolodymyr Selenskyj. Die russische Seite zeigt sich angetan.
Putin (M.) und US-Verhandler (von hinten): »Wir haben eine Idee für den Frieden«, erklärte Trump
Putin (M.) und US-Verhandler (von hinten): »Wir haben eine Idee für den Frieden«, erklärte Trump

Putin (M.) und US-Verhandler (von hinten): »Wir haben eine Idee für den Frieden«, erklärte Trump

Foto: Mikhail Metzel / Sputnik Kremlin / AP

Der hochrangige russische Regierungsvertreter Kirill Dmitrijew bezeichnet die Reise der Ukraine-Gesandten des US-Präsidenten Donald Trump nach Moskau als »wichtigen Friedensbesuch«. Dies ist die erste öffentliche Reaktion aus Russland nach den Gesprächen mit Präsident Wladimir Putin im Kreml.

Dmitrijew, der an dem Treffen teilnahm, veröffentlicht diese Äußerung auf der Plattform X zusammen mit Fotos, die ihn bei der Verabschiedung von Steve Witkoff und Jared Kushner ​auf einem Moskauer Flughafen zeigen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat in Moskau russischen Staatsmedien zufolge rund drei Stunden lang mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner Gespräche über eine Beendigung des seit vier Jahren anhaltenden Ukrainekonflikts geführt.

Witkoff und Kushner sollen am Sonntag erstmals in die ukrainische Hauptstadt Kyjiw reisen. Russland und die Ukraine sicherten zu, wegen der Gespräche drei Tage lang auf Angriffe auf Kyjiw und Moskau zu verzichten.

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag einen neuen diplomatischen Vorstoß zur Beendigung des Ukrainekriegs angekündigt. Er nannte Witkoff und seinen Schwiegersohn Kushner »zwei großartige Verhandler« und fügte hinzu: »Wir haben sie hingeschickt, um zu sehen, ob wir etwas erreichen können.« Witkoff und Kushner hätten einen US-Plan »zur Beendigung des Krieges« dabei. Ob der Plan Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland vorsieht, sagte der US-Präsident nicht. Er sagte lediglich: »Wir haben eine Idee für den Frieden.«

Putin findet Beendigung des Krieges »nicht einfach«

Vor Beginn der Gespräche hinter verschlossenen Türen hatte Putin Trump dafür gedankt, dass dieser »nicht aufhöre« zu versuchen, den Krieg – den Russland 2022 begann – zu beenden, obwohl dies »nicht einfach« sei, wie in vom Fernsehen übertragenen Aufnahmen zu hören war.

Putin sagte zudem, Moskau werde die Sicherheit der US-Gesandten in Kyjiw garantieren – nachdem die russische Armee die ukrainische Hauptstadt zuletzt immer wieder unter Beschuss genommen hatte. »Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um die Sicherheit des Verhandlungsprozesses und von Vermittlern wie Ihnen zu gewährleisten«, sagte Putin zu Witkoff und Kushner.

Die beiden US-Gesandten waren am Mittag auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo gelandet. Nach dem Treffen mit Putin werden sie am Sonntag zu Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kyjiw erwartet. Laut Selenskyj war geplant, dass sie mit dem Flugzeug nach Kyjiw kommen – dies ist höchst ungewöhnlich, weil der ukrainische Luftraum seit Kriegsbeginn 2022 gesperrt ist und andere westliche Politiker bisher immer im Zug nach Kyjiw reisten.

Die russischen Angriffe auf Kyjiw sollen laut Kreml für drei Tage eingestellt werden. »Der russische Präsident, der Oberbefehlshaber, hat den Befehl erteilt, Kyjiw ab heute Mitternacht für drei Tage nicht anzugreifen«, zitierte die Nachrichtenagentur Tass am Samstag Kremlsprecher Dmitrij Peskow.

Selenskyj teilte am Samstag in Onlinenetzwerken mit, die Ukraine sei bereit, »ab jetzt« bis Montag auf Angriffe auf Moskau zu verzichten. Später sagte er, er habe mit den US-Vertretern gesprochen und erwarte sie am Sonntag in Kyjiw.

Einfluss durch Irankrieg

Selenskyj hatte bereits am Donnerstag bekannt gegeben, dass Trump seine Unterhändler zu neuen Gesprächen nach Moskau und Kyjiw schicken wolle. Es wäre ihr erster Besuch in der ukrainischen Hauptstadt seit Beginn der zweiten Amtszeit Trumps.

Die beiden US-Gesandten waren bereits mehrfach nach Moskau gereist, um über ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu sprechen. Sie waren auch schon an Verhandlungen über Waffenruhen im Gazastreifen und in Iran beteiligt gewesen.

Bei russischen Angriffen starben am Samstag neuen Behördenangaben zufolge mindestens zehn Menschen, zwei im Bezirk Butscha nahe Kyjiw, fünf in der Region Dnipro im Landesinneren und drei Mitglieder einer Familie in der Region Charkiw.

Der Besuch von Witkoff und Kushner in Moskau erfolgt, nachdem Ende August der Chef des US-Geheimdienstes CIA, John Ratcliffe, in geheimer Mission in die russische Hauptstadt gereist war.

Vor dem Hintergrund des Irankriegs waren die Bemühungen von US-Präsident Trump um eine Verhandlungslösung im Ukrainekrieg in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten. Moskau und Kyjiw verstärkten ihre Angriffe auch weit im Inneren des jeweiligen Nachbarlandes.

mamk/Reuters/AFP