Ian Robles / Eyepix / Sipa USA / picture alliance / dpa
Sie wirke »wie ein Gegenmodell zu den testosterongesteuerten Alphatieren, die in vielen Ländern Lateinamerikas regieren«, schreibt der SPIEGEL kurz vor der Präsidentschaftswahl in Mexiko über die linksgerichtete Kandidatin Claudia Sheinbaum. Die promovierte Physikerin, Umweltexpertin und frühere Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt ist populär – bei der Wahl Anfang Juni setzt sich Sheinbaum klar gegen die Kandidatin des Oppositionsbündnisses durch und wird die erste Frau an der Spitze Mexikos.
Bester Laune posiert sie zweieinhalb Monate später vor dem Wahlgericht des Landes, in der Hand ein Zertifikat, das ihren Sieg auch formal bestätigt. Und dennoch steht Sheinbaum im Schatten des Vermächtnisses eines Mannes: Ihren Erfolg verdankt sie auch den umfangreichen Sozialprogrammen ihres populistischen Vorgängers, Parteikollegen und Mentors Andrés Manuel López Obrador, der nach einer Amtszeit nicht erneut kandidieren durfte. López Obrador waren in seinen sechs Jahren als Präsident kaum Erfolge im Krieg gegen die mächtigen Drogenkartelle gelungen, die das Land seit Jahren terrorisieren und de facto ganze Regionen kontrollieren. Sheinbaum, die als Bürgermeisterin auf Gewaltprävention statt Aufrüstung setzte, rühmt sich damit, die Mordrate in Mexiko-Stadt erheblich verringert zu haben. Nun muss sie beweisen, dass ihr das auch auf nationaler Ebene gelingt.
-
2 Min