Martinique: Frankreich schickt nach Unruhen Bereitschaftspolizei CRS - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Soziale Unruhen auf Karibikinsel Frankreich schickt seit 1959 unerwünschte Bereitschaftspolizei nach Martinique

Nach Ausschreitungen wurden die Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten im französischen Überseegebiet Martinique untersagt. Zur Durchsetzung wurde eine Polizeitruppe eingeflogen, die dort traurige Erinnerungen auslöst.
Protestierender vor einem Supermarkt in Martinique: Erinnerung an drei tote Jugendliche
Protestierender vor einem Supermarkt in Martinique: Erinnerung an drei tote Jugendliche

Protestierender vor einem Supermarkt in Martinique: Erinnerung an drei tote Jugendliche

Foto: Ed Jones / AFP

Die französischen Behörden haben eine Polizeieinheit nach Martinique geschickt, die auf die Niederschlagung von urbanem Aufruhr spezialisiert ist. Seit 65 Jahren ist der Einsatz dieser speziellen Bereitschaftspolizei auf der Karibikinsel unerwünscht. Nun soll sie den Verstoß gegen Protestauflagen in Teilen der Insel unterbinden.

Am Wochenende kamen Angehörige der Compagnies Républicaines de Sécurité (CRS, Republikanische Sicherheitskompanien) in Martinique an. Zuvor hatte der Präfekt, der die französische Zentralregierung in dem Überseegebiet vertritt, ein Verbot von Protesten bis Montag für den Hauptort Fort-de-France und drei andere Gemeinden dekretiert. Auch eine Ausgangssperre trat in Kraft.

Zerstörtes Fahrzeug in Fort-de-France (nach Ausschreitungen am Montagabend)

Zerstörtes Fahrzeug in Fort-de-France (nach Ausschreitungen am Montagabend)

Foto: Thomas Thurar / AFP

Die Einschränkungen folgten auf gewalttätige Proteste gegen gestiegene Lebenshaltungskosten, die in der vergangenen Woche auf der Insel ausgebrochen waren. Mindestens sechs Polizisten und eine Zivilperson wurden durch den Einsatz von Schusswaffen verletzt. Mehrere Geschäfte wurden ausgeraubt. Die örtliche Polizei setzte Tränengas ein.

Nach Behördenangaben sollte das Protestverbot die »Verletzungen und Zerstörungen« bei den Versammlungen und die »Behinderungen der Bevölkerung« am Wochenende verhindern. Doch die Bevölkerung reagierte mit Trotz und Verärgerung auf die Repressionen: Tausende demonstrierten am Samstagabend friedlich.

Rathaus von Fort-de-France: Friedliche Demonstrationen gegen Protestverbot

Rathaus von Fort-de-France: Friedliche Demonstrationen gegen Protestverbot

Foto: Ed Jones / AFP

Dennoch kamen die CRS-Truppen in nicht näher bezifferter Stärke an und wurden in Fort-de-France untergebracht. Die Bereitschaftspolizei wurde 1959 für den Tod von drei Jugendlichen bei Protesten in Martinique verantwortlich gemacht, als sie einen sozialen Aufstand mit niederschlugen. In der Folge hatte der Generalrat des Übersee-Departements ihren Einsatz untersagt. Nun hatten die lokalen Behörden die Elitepolizisten angefordert.

Frankreich setzt nur selten CRS-Einheiten in seinen karibischen Überseegebieten ein. Zuletzt wurden sie nach Aufruhr und Streiks 2009 nach Guadeloupe gerufen.

Mehr zum Thema

Der Umgang mit den Protesten in den Überseeregionen stellt die frisch gebildete Regierung des konservativen Politikers Michel Barnier auf die Probe. Zuletzt waren zwei Menschen bei einem Polizeieinsatz in Neukaledonien getötet worden. Dort herrschen schon den ganzen Sommer über Unruhen, ausgelöst durch eine geplante Wahlreform.

feb/Reuters

Mehr lesen über