Projekt von Kaja Kallas: EU streicht Gründung von Verteidigungsexpertengruppe - DER SPIEGEL
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Widerstand aus Berlin und Rom EU bläst Verteidigungsinitiative ab

EU-Außenbeauftragte Kallas wollte eine Expertengruppe zur Stärkung der europäischen Verteidigungspolitik gründen, doch der Schritt wurde kurzfristig abgesagt. Grund dafür ist hauptsächlich Widerstand aus Deutschland und Italien.
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas

Foto: Ezra Acayan / Getty Images / AP / dpa

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat kurzfristig die eigentlich für heute geplante Gründung einer Expertengruppe zur Stärkung der europäischen Verteidigungspolitik abgesagt – wegen des Widerstands von Regierungsvertretern einiger Länder. »Einige Mitgliedstaaten waren der Auffassung, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht der richtige Weg wäre«, erklärte ein EU-Beamter in Brüssel. Nach Gesprächen mit Ministern habe man beschlossen, die Initiative nicht weiterzuverfolgen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa hatten sich zuvor unter anderem die deutsche und die italienische Regierung gegen die Expertengruppe positioniert. Dies ist dem SPIEGEL aus EU-Kreisen bestätigt worden.

Die Expertengruppe sollte unter der Schirmherrschaft von Kallas Vorschläge erarbeiten, wie Lücken bei Europas konventionellen militärischen Fähigkeiten schneller und wirksamer geschlossen werden können, und dazu einen Bericht mit konkreten Empfehlungen vorlegen. Als Mitglieder waren führende politische und militärische Vertreter mehrerer EU-Staaten sowie Großbritanniens und der Ukraine vorgesehen. Sie sollten an diesem Montagvormittag vorgestellt werden.

Bundesregierung stand Kallas zuletzt kritisch gegenüber

Zu den Gründen für Deutschlands Widerstand gegen die Expertengruppe gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Als ein möglicher Grund gilt, dass die Bundesregierung Kallas zuletzt eher kritisch gegenüberstand und bei verteidigungspolitischen Fragen auf die Planungsprozesse in der Nato setzen will. So wirbt Berlin derzeit auch dafür, große Teile des von Kallas geführten Auswärtigen Dienstes mit der EU-Kommission zu verschmelzen.

Aus dem Auswärtigen Dienst hieß es unterdessen, man wolle bei dem Thema Verteidigung nicht lockerlassen, und es sollten nun neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit EU-Staaten geprüft werden. »An der Diagnose hat sich nichts geändert: Europa muss bei der Verteidigung schneller vorankommen«, sagte der Beamte. »Wir möchten nicht in einigen Jahren zurückblicken und feststellen, dass Europa so sehr darauf konzentriert war, wo es 2035 stehen muss, dass es versäumt hat, das zu tun, was 2027 notwendig gewesen wäre.«

col/til/dpa