Putinfreunde unter Palmen - DER SPIEGEL
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Analyse Putinfreunde unter Palmen

Unter den selbstbewussten Staaten Südostasiens hat der Westen an Diskursmacht eingebüßt. Als Partner verloren sind sie deshalb aber nicht.
• aus DER SPIEGEL 46/2024

Eine der größten Demokratien der Welt wählt einen neuen Präsidenten, Typ starker Mann mit Sympathien für Putin. Kaum ist er im Amt, wendet sich seine Nation Russland zu.

So lässt sich auf den ersten Blick lesen, was dieser Tage in Indonesien geschieht. Seit Oktober sitzt Ex-General Prabowo Subianto im Präsidentenpalast, diese Woche stachen indonesische und russische Kriegsschiffe für ihr erstes gemeinsames Marinemanöver in die Javasee. Kurz vor seinem Amtsantritt war Prabowo – zum fünften Mal in vier Jahren – nach Moskau gereist und hatte dort den Wunsch bekundet, die Beziehungen zum »großartigen Freund« Russland zu vertiefen. Noch als Verteidigungsminister hatte er 2023 einen »Friedensplan« für die Ukraine vorgelegt, den sein damaliger ukrainischer Amtskollege als »merkwürdig« und prorussisch zurückwies. Indonesiens Bevölkerung dagegen teilt Prabowos Neigung: Einer aktuellen Umfrage zufolge wünscht mehr als die Hälfte der befragten Indonesier Russland den Sieg, weniger als ein Viertel der Ukraine.

DER SPIEGEL 46/2024

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Kommt dem Westen da ein »Wertepartner«, wie Vertreter der deutschen Bundesregierung Indonesien bezeichnen, abhanden? Das wäre zu kurz gedacht. Indonesiens Russophilie ist historisch bedingt, schon die Sowjetunion war Aufbauhelfer, antikolonialer Unterstützer, Waffenlieferant. Vor allem ist Blockfreiheit eine Grundkonstante indonesischer Außenpolitik: So hat Jakarta unlängst auch mit westlichen Ländern eine Militärübung abgehalten – und mit Australien gar einen Verteidigungspakt unterzeichnet. Indonesien hält sich alle Optionen offen, weil es China misstraut und sich auf die USA nicht verlassen will. Gute Beziehungen zu Russland verschaffen dem Land Manövrierraum.

Prabowos zur Schau gestellte Putinfreundschaft zeigt, wie begrenzt die westliche Diskursmacht inzwischen ist. So geht es oft in der Region: Indiens Premier Narendra Modi war in Moskau auf Visite, Vietnam hat Putin als Gast empfangen, auch Malaysia ist ihm freundlich zugeneigt. Alles Länder, die der Westen als Partner begreift. Doch im neuen Kalten Krieg werden sich die selbstbewussten Staaten Süd- und Südostasiens in kein Lager zwingen lassen.

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