Schüsse auf slowakischen Premier Mutmaßlicher Fico-Attentäter war vielleicht doch kein Einzeltäter
Ein Mann steht vor dem Krankenhaus, in dem der slowakische Premierminister Fico behandelt wird
Foto: Martin Divisek / EPADer Mann, der am Mittwoch auf den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico geschossen haben soll, ist möglicherweise doch kein Einzeltäter. Es gebe entsprechende Indizien, sagte Innenminister Matúš Šutaj Eštok am Sonntag vor Journalisten in Bratislava. »Wir haben ein Ermittlerteam zusammengestellt, das auch mit der Version arbeiten wird, dass es sich nicht um einen einsamen Wolf handelte.«
Eines der Indizien sei, dass Inhalte auf der Facebook-Seite des Mannes gelöscht worden seien, als dieser bereits in den Händen der Polizei war. Er habe in diesem Augenblick selbst keinen Zugang zu der Seite gehabt.
Slowakischer Innenminister Eštok (Vordergrund)
Foto: Jakub Gavlak / EPAFico war am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in der Kleinstadt Handlová, etwa 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bratislava, durch mehrere Schüsse lebensgefährlich verletzt worden. Er wurde in einem Krankenhaus in der zentralslowakischen Stadt Banská Bystrica fünf Stunden lang notoperiert. Am Freitag folgte eine weitere, zweistündige Operation.
Ficos Zustand sei »stabil, aber ernst«
Die slowakische Gesundheitsministerin Zuzana Dolinková sagte am Samstag, der erneute Eingriff habe »zu einer positiven Prognose für den Gesundheitszustand des Regierungschefs beigetragen«. Sein Zustand sei »stabil, aber trotzdem immer noch ernst«.
Die Schüsse auf Fico hatten die Slowakei tief erschüttert. Der mutmaßliche Attentäter, ein 71-jähriger Hobbyschriftsteller aus der zentralslowakischen Stadt Levice, war am Tatort von Sicherheitskräften überwältigt und festgenommen worden. Am Samstag ordnete ein Strafgericht Untersuchungshaft für ihn an.
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Fico war im Oktober nach dem Wahlsieg seiner populistischen Smer-Partei erneut slowakischer Regierungschef geworden. Der prorussische Populist hatte den Posten bereits von 2006 bis 2010 und von 2012 bis 2018 inne. 2018 musste er nach der Ermordung des Journalisten Ján Kuciak und dessen Verlobter zurücktreten. Kuciak hatte über Verbindungen der italienischen Mafia zu Ficos Regierungspartei berichtet.