Offener Brief Ärzte fordern Freilassung russischer Anti-Kriegs-Aktivistin
Alexandra Skotschilenko mit ihrem letzten Wort im Gerichtssaal: Zu harter Strafe verurteilt
Foto: Dmitri Lovetsky / dpaZahlreiche russische Ärzte haben Kremlchef Wladimir Putin zur Freilassung der zu Straflager verurteilten Anti-Kriegs-Aktivistin und Künstlerin Alexandra Skotschilenko aufgefordert. Die 33-Jährige habe eine Reihe schwerer chronischer Erkrankungen, die eine medizinische Behandlung und spezielle Ernährung erforderten, heißt es in einem offenen Brief. Am Sonntagmorgen führte die Liste der Unterzeichner fast 250 Namen auf. Die Inhaftierung im Straflager könne ihre gesundheitliche Situation weiter verschlechtern, hieß es.
Die Künstlerin sei dafür verurteilt worden, dass sie den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ablehne. Sie habe mit ihrer pazifistischen Aktion nicht gegen das Gesetz verstoßen, schrieben die Ärzte. Putin sei der Garant der Verfassung, und diese sehe eine freie Meinungsäußerung vor. Skotschilenko hatte im vergangenen Jahr nach Kriegsbeginn im März in einem Geschäft Preisschilder durch Anti-Kriegs-Losungen ersetzt. Dafür verurteilte sie ein Gericht in Sankt Petersburg am Donnerstag zu sieben Jahren Straflager.
Zugleich kritisierten die Ärzte in dem Brief mit Blick auf die »massenhafte vorzeitige Freilassung« von Mördern und Vergewaltigern die Ungerechtigkeit eines Urteils, dem kein Verbrechen zugrunde liege. Putin hatte massenhaft Schwerverbrecher begnadigt als Belohnung dafür, dass sie im Krieg gegen die Ukraine kämpften.
Skotschilenko musste sich wegen der Verbreitung angeblicher Falschinformationen über die russische Armee verantworten. Eine Frau hatte sie denunziert. Die Musikerin und Dichterin war nach der Aktion im April 2022 festgenommen worden und saß seither in Untersuchungshaft. Sie wies die Vorwürfe stets zurück.
Der Fall hatte international auch deshalb Entsetzen ausgelöst, weil die Aktivistin trotz schwerer Krankheiten inhaftiert blieb. Skotschilenko ist von den Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Memorial als politische Gefangene eingestuft worden. Auch ihre Lebenspartnerin hatte immer wieder auf das Schicksal der politisch verfolgten Künstlerin aufmerksam gemacht.