Schleusernetzwerke: Wie illegale Migration über Wasserwege organisiert wird - DER SPIEGEL
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Foto: Dan Kitwood / Getty Images

Fluchtroute nach Großbritannien Ans andere Ufer

• aus SPIEGEL Chronik 1/2025

Sie waten ängstlich, aber entschlossen ins Wasser – eine Gruppe geflüchteter Männer, Frauen, Kinder macht sich auf den Weg zu einem kleinen Boot, das sie aus Gravelines über den Ärmelkanal bringen soll. Die nordfranzösische Hafenstadt ist einer der Startpunkte auf der Fluchtroute nach Großbritannien. Seit Beginn des Jahres haben fast 40.000 Menschen hier von der Küste aus die Insel am Rande Europas erreicht, 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Frankreich und Großbritannien schieben einander die Verantwortung für die steigenden Zahlen zu. Während Behörden auf beiden Seiten des Kanals versuchen, Schleusernetzwerke zu bekämpfen, ist die humanitäre Not entlang der Küsten sichtbar. In ihrer Verzweiflung wagen Menschen die gefährliche Überfahrt in häufig untauglichen Booten, meist für einen hohen Geldbetrag.

Der britische Premierminister Keir Starmer steht innenpolitisch unter Druck, die irreguläre Migration einzudämmen. Seine Labour-Partei wird in einer Umfrage vom Oktober auf 17 Prozent fallen, während die rechtspopulistische und migrationsfeindliche Partei Reform UK deutlich zulegt.

Im Juli haben sich Großbritannien und Frankreich auf den »One-in-one-out«-Deal geeinigt. Das Abkommen sieht vor, dass Geflüchtete, die illegal im Boot ankommen, in Gewahrsam genommen und später nach Frankreich zurückgebracht werden können. Im Gegenzug darf dieselbe Anzahl schutzbedürftiger Asylsuchender legal in das Vereinigte Königreich einreisen. Am 6. August ist die Regelung in Kraft getreten.

Damit soll die gefährliche Überquerung über den Ärmelkanal unattraktiv werden. Doch Kritiker warnen, das Programm setze vor allem auf Symbolik und sei kaum geeignet, Geflüchtete von der Überfahrt abzuhalten. Bis Juni 2026 wollen London und Paris prüfen, ob der Ansatz funktioniert. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Die Realität auf dem Wasser lässt sich nur schwer durch Verträge an Land kontrollieren.

lph
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