Klimawandel-Folgen: Kampf ums Wasser in französischem Dorf Sainte Soline - DER SPIEGEL
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Soziale Folgen der Erderwärmung Der Kampf ums Wasser hat begonnen – mitten in Europa

Bauern wollen ein Wasserbecken für ihre Felder, Umweltschützer demonstrieren dagegen, es kommt zu Gewalt: Im französischen Sainte-Soline zeigen sich schon heute die Verwerfungen, die der Klimawandel mit sich bringt.

Milde Temperaturen und regelmäßige über das Jahr verteilte Niederschläge machen Sainte-Soline in Westfrankreich zu einem idealen landwirtschaftlichen Standort – eigentlich. Doch in den letzten Jahren leidet die kleine französische Gemeinde unter extremer Trockenheit. Bauern fürchten deshalb regelmäßig um ihre Ernte.

Darum soll in der Region ein Reservoir entstehen, um bei Bedarf die landwirtschaftlichen Flächen künstlich zu bewässern. Hunderte Landwirte unterstützen das Vorhaben.

Emmanuel Villeneuve, Bauer:

»Wasser ist die beste Versicherung, die man haben kann. Das ist es, was unsere Pflanzen ohne Wasser wachsen lässt. Ohne Wasser gibt es nichts, es gibt keine Vegetation.«

Doch nicht alle sind von dem Vorhaben begeistert. Mehr als 100 solcher Becken gibt es schon in Frankreich. Gegner bezeichnen sie als »Mega-Becken« und sind auch deshalb dagegen, weil sie zum Teil aus Grundwasser gespeist werden. Aus ihrer Sicht reißen einige wenige Landwirte die knappen Wasserressourcen an sich, während in der Region alle unter dem Klimawandel leiden.

Der Verteilungskampf ums Wasser mündete Ende März in einer Großdemo, bei der es zu heftigen Zusammenstößen kam. Drei Polizeifahrzeuge gingen in Flammen auf. Die Gendarmerie setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Auf beiden Seiten gab es Verletzte – und nur Verlierer.

Emmanuel Villeneuve, Bauer:

»Ich bedaure sehr, dass es Verletzte gab. Aber keiner oder nur wenige haben sich gefragt, wie wir das auf unserem Land durchstehen konnten. Unsere Produktionsmittel werden geplündert und unsere Ausrüstung zerstört. (…) So sollte es nicht sein, es sollte an einem Tisch sein, um zu diskutieren, wie wir sind, nicht indem wir die Werkzeuge anderer Leute zerstören. Soll ich das Haus meines Nachbarn zerstören, weil ich mit ihm nicht einverstanden bin?«

Am Beispiel Sainte-Soline zeigt sich nicht nur die aufgestaute Wut innerhalb der französischen Gesellschaft, in der sich die Lager unversöhnlich gegenüberstehen. Hier wird auch sichtbar, wo der Kampf um knapper werdendes Wasser auch in westlichen Industrieländern hinführen könnte. Die Regierung will nun mit einem Wasserplan gegensteuern. Wie gut der funktioniert, wird sich im Sommer zeigen – wenn es vermutlich noch trockener wird im Land.

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