Sri Lanka: Land bittet Wladimir Putin »in aller Bescheidenheit« um Treibstoff und Touristen - DER SPIEGEL
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»In aller Bescheidenheit« Sri Lanka bittet Putin um Treibstoff und Touristen

Am Dienstag gestand der Regierungschef von Sri Lanka ein, dass sein Land »bankrott« ist. Nun hat der Präsident des einst wohlhabenden Landes Hilfe gesucht – in Moskau.
Mittlerweile Alltag in Sri Lanka: Scheinbar endlos lange Schlangen vor Tankstellen
Mittlerweile Alltag in Sri Lanka: Scheinbar endlos lange Schlangen vor Tankstellen

Mittlerweile Alltag in Sri Lanka: Scheinbar endlos lange Schlangen vor Tankstellen

Foto: Ishara S. Kodikara / AFP

Angesichts der Wirtschaftskrise in Sri Lanka hat sich Präsident Gotabaya Rajapaksa an Russland gewandt. Er habe Präsident Wladimir Putin »in aller Bescheidenheit« um Treibstoff und die Wiederaufnahme von Touristenflügen zwischen Moskau und Colombo gebeten, sagte Rajapaksa am Mittwoch. »Wir waren uns einig, dass die Stärkung der bilateralen Beziehungen in Bereichen wie Tourismus, Handel und Kultur für die Festigung der Freundschaft zwischen unseren beiden Nationen von größter Bedeutung ist.«

Sri Lanka hatte im Mai noch rund 90.000 Tonnen sibirisches Öl gekauft, hatte dann aber kein Geld mehr, um Anschlussverträge zu finanzieren. Rajapaksa bat Putin nun um Lieferungen auf Kredit. Die russische Fluggesellschaft Aeroflot hatte ihre Flüge nach Colombo im vergangenen Monat eingestellt, nachdem ein Gericht in Sri Lanka eine Aeroflot-Maschine wegen einer Meinungsverschiedenheit über Zahlungen kurzzeitig festgesetzt hatte.

Sri Lanka steckt derzeit in einer verheerenden Finanzkrise. Die Regierung ist nicht in der Lage, die wichtigsten Importe wie Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente zu finanzieren. Es gibt beinahe keinen Treibstoff mehr und nicht lebensnotwendige Dienstleistungen wurden eingestellt, um Sprit zu sparen.

Schwerste Wirtschaftskrise seit der Unabhängigkeit von Großbritannien

Ein wichtiger Grund für die schwerste Wirtschaftskrise in Sri Lanka seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien waren die ausbleibenden Touristen infolge der Coronapandemie. Außerdem gehörten Ukrainer und Russen vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine zu den häufigsten Besuchern des Inselstaates. Europäische Staaten, Australien und die USA raten ihren Bürgern mittlerweile explizit von Reisen nach Sri Lanka ab.

Sri Lanka ist infolgedessen nach eigenen Angaben zahlungsunfähig und wird bis Ende kommenden Jahres mit einer beispiellosen Wirtschaftskrise zu kämpfen haben. Das einst wohlhabende Land werde in diesem Jahr in eine tiefe Rezession schlittern und weiterhin nicht genügend Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente haben, sagte Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe bereits am Dienstag im Parlament. »Wir werden auch im Jahr 2023 noch Schwierigkeiten haben«, sagte er. »Das ist die Realität.«

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Derzeit verhandele das Land mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über ein Hilfspaket, sagte Wickremesinghe. Der Erfolg der Verhandlungen hänge davon ab, ob bis August ein Umschuldungsplan mit den Gläubigern abgeschlossen werden könne, mit dem der IWF einverstanden sei. »Wir verhandeln nun als ein bankrottes Land«, fügte der Regierungschef hinzu.

Der IWF hatte in der vergangenen Woche erklärt, Sri Lanka müsse mehr dafür tun, seine Finanzen in Ordnung zu bringen und das Haushaltsdefizit zu beheben, bevor ein Hilfspaket auf den Weg gebracht werden könne. Außerdem müsse es die Korruption stärker bekämpfen und teure Energie-Subventionen abschaffen, die den Staatshaushalt lange Zeit belastet haben.

Nur wenige Stunden nach Wickremesinghes Äußerungen forderte die in Sri Lanka einflussreiche katholische Kirche, Präsident Gotabaya Rajapaksa müsse die Verantwortung für die Krise übernehmen und zurücktreten. Sein Festhalten an der Macht sei »das größte Hindernis für die Befreiung des Landes«, erklärte Kardinal Malcolm Ranjith.

dop/AFP

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