Nur die Scheinwerfer der Autos bringen mancherorts auf Kuba Mitte Oktober nach Sonnenuntergang noch etwas Licht ins Dunkel. Der erneute Ausfall eines großen Ölkraftwerks etwa 80 Kilometer östlich der Hauptstadt Havanna lässt das ohnehin fragile Energiesystem der Karibikinsel vollends kollabieren: Drei Tage lang müssen die rund zehn Millionen Einwohner weitgehend ohne Strom auskommen, das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Der Blackout markiert den vorläufigen Höhepunkt der schwersten Versorgungskrise auf Kuba seit dem Zerfall des Ostblocks Anfang der Neunzigerjahre. Die maroden Kraftwerke in dem autoritär regierten Land laufen fast ausschließlich mit importierten fossilen Kraftstoffen, doch die Lieferungen der Verbündeten Russland und Venezuela wurden zuletzt immer spärlicher. Wenige Tage nachdem die Stromversorgung notdürftig wieder läuft, trifft ein Hurrikan die Insel – es wird erneut zappenduster.