Nach Telefonat mit US-Außenminister Blinken General Daglo signalisiert Bereitschaft zu Feuerpause in Sudan
RSF-General Mohamed Hamdan Daglo: »Die RSF stimmen einem Waffenstillstand zu«
Foto: Ashraf Shazly / AFPDie Ärztinnen und Ärzte im Sudan schlagen Alarm, die internationale Gemeinschaft ist besorgt: Seit Tagen liefern sich Anhänger zweier Generäle im Sudan einen blutigen Straßenkampf. Nun hat sich einer der beiden, Mohamed Hamdan Daglo – besser bekannt unter seinem Rufnamen Hemeti – für eine 24-stündige Feuerpause ausgesprochen. »Die RSF stimmen einem Waffenstillstand zu, damit Zivilisten und Verwundete evakuiert werden können«, teilte Daglo am Mittag auf Twitter mit.
Mit der RSF sind die Rapid Support Forces gemeint, deren Anführer Daglo ist. Die RSF ist eine paramilitärische Kampfeinheit und eigentlich der Armee unterstellt. Seit Samstag opponiert sie jedoch gegen die Soldaten von De-facto-Präsident Abdel Fattah Al-Burhan. Daglo und Al-Burhan beanspruchen beide für sich die Vormacht im Sudan.
Daglo behauptete auf Twitter, die RSF sei bereits seit gestern für eine Waffenruhe, um Zivilisten die Flucht aus den umkämpften Gebieten zu ermöglichen. Angeblich würde sich Al-Burhans Armee jedoch verweigern.
Blinken drängt auf Waffenruhe im Sudan
Kurz vor dem Tweet hatte US-Außenminister Antony Blinken sowohl mit Daglo als auch Al-Burhan telefoniert und beide rivalisierende Parteien zu einem Waffenstillstand gedrängt. »Es sind bereits zu viele Zivilisten ums Leben gekommen. Ich betonte, wie wichtig es ist, die Sicherheit des diplomatischen Personals und der Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zu gewährleisten«, teilte Blinken am Morgen ebenfalls auf Twitter mit.
Mehrere Versuche einer Waffenruhe waren am Sonntag und Montag laut Uno-Sonderbeauftragten im Sudan, Volker Perthes, zunächst gescheitert. Die Armee teilte laut der Nachrichtenagentur Reuters mit, es bestehe keine Kenntnis über eine Waffenruhe. »Wir haben eine kritische Phase erreicht und unsere Bemühungen fokussieren sich auf das Erreichen unserer Ziele«, hieß es demnach.
Im Sudan sind am Samstag Kämpfe zwischen den zwei mächtigsten Generälen des Landes und ihren Einheiten ausgebrochen. Die zwei Männer führten das Land im Nordosten Afrikas mit rund 46 Millionen Einwohnern seit einem gemeinsamen Militärcoup im Jahr 2021.
Al-Burhan, der Oberbefehlshaber der Armee ist, kämpft mit dem Militär gegen seinen Stellvertreter Mohammed Hamdan Daglo, den Anführer der mächtigen paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces (RSF). Eigentlich hätten die RSF der Armee unterstellt und die Macht im Land wieder an eine zivile Regierung übertragen werden sollen.
In mehreren Landesteilen kommt es dabei zu Angriffen mit schweren Waffen auf militärische Einrichtungen, teilweise in unmittelbarer Nähe von Wohngegenden. Beobachter warnen vor hohen zivilen Opfern. Das öffentliche Leben in Sudans Hauptstadt Khartum ist seit Beginn der Kämpfe fast vollständig zum Erliegen gekommen.