Ukraine: Gouverneur ruft Einwohner von Cherson zur Evakuierung auf - DER SPIEGEL
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Russischer Angriffskrieg gegen Ukraine Gouverneur ruft Einwohner von Cherson zur Evakuierung auf

Im südukrainischen Cherson könnten wochenlang Strom und Heizung ausfallen. Deshalb rufen die Behörden die Einwohner zur Evakuierung auf. Die Flugabwehr ist machtlos gegen russische Lenkbomben und Drohnen mit Düsenantrieb.
Zerstörtes Gebäude der Regionalverwaltung in Cherson (November 2025)
Zerstörtes Gebäude der Regionalverwaltung in Cherson (November 2025)

Zerstörtes Gebäude der Regionalverwaltung in Cherson (November 2025)

Foto: Efrem Lukatsky / AP / dpa

Angesichts der zunehmenden russischen Angriffe auf Cherson haben die Behörden die Einwohner der südukrainischen Stadt zur Evakuierung aufgerufen. »Ich wende mich erneut an die Einwohner von Cherson, insbesondere an Familien mit Kindern und ältere Menschen: Wenn Sie die Möglichkeit haben (...), bitte verlassen Sie die Stadt«, schrieb der Gouverneur der Region Cherson, Oleksandr Prokudin, am Donnerstag im Onlinedienst Telegram.

Aufgrund der russischen Angriffe bestehe die Gefahr, dass die Strom- und Wärmeversorgung in der Stadt für längere Zeit ausfallen könnte. Prokudin sprach von einer »äußerst schwierigen Sicherheitslage« in Cherson. Russland intensiviere »täglich seine Angriffe auf die kritische Infrastruktur in der Region«.

In der Nacht zum Donnerstag habe die russische Armee »erneut das Fernwärmekraftwerk von Cherson mit Gleitbomben angegriffen«. Die Anlage sei dabei stark beschädigt worden. »Cherson könnte ohne Strom und Heizung dastehen, und zwar nicht nur für einige Stunden oder Tage, sondern für einen langen Zeitraum«, warnte der Gouverneur.

Straße mit Antidrohnennetz bei Cherson (November 2025)

Straße mit Antidrohnennetz bei Cherson (November 2025)

Foto: Efrem Lukatsky / AP / dpa

Prokudin zufolge setzt Russland in der Region verstärkt Lenkbomben und mit Düsentriebwerken ausgestattete Drohnen ein, gegen die die Flugabwehr derzeit machtlos ist.

Cherson, wo vor dem Krieg rund 280.000 Menschen lebten, stand von März bis November 2022 unter russischer Kontrolle  und liegt nahe der Front.

Im vergangenen Winter hatte die russische Armee immer wieder ukrainische Kraftwerke angegriffen und damit zeitweise Millionen Menschen in Kälte und Dunkelheit gestürzt.

Attacken auf Kyjiw

Russland hat die ukrainische Hauptstadt am Donnerstag am helllichten Tag mit Drohnen angegriffen. In Kyjiw wurde nach Angaben der Behörden ein Mann verletzt. Bei weiteren russischen Angriffen in anderen Landesteilen wurde mindestens ein Mensch getötet und weitere wurden verletzt. Die Attacke auf Kyjiw reiht sich in eine Serie zuletzt häufiger gewordener russischer Angriffe während des Tages ein.

Bereits in der Nacht hatte Russland mehrere Regionen der Ukraine mit Drohnen und Raketen angegriffen. Der Leiter der Kyjiwer Regionalverwaltung, Tymur Tkatschenko, erklärte, die Hauptstadtregion sei die ganze Nacht über mit Kampfdrohnen und ballistischen Raketen attackiert worden. Dabei seien unter anderem Lagerhäuser getroffen worden.

In der nordöstlichen Region Sumy wurde nach Behördenangaben ein Mensch getötet, vier weitere wurden verletzt. In Odessa am Schwarzen Meer sowie in den südlichen Regionen Saporischschja und Cherson wurden jeweils drei Menschen verletzt. In der Großstadt Cherson seien mitten am Tag zivile Verkehrsmittel angegriffen worden, erklärte der Leiter der Stadtverwaltung, Jaroslaw Schanko.

Russland hat seine Angriffe auf Kyjiw zuletzt verstärkt und greift dabei zunehmend auch tagsüber an. Erst am Wochenende hatte die russische Armee die Hauptstadtregion am helllichten Tag mit einer ballistischen Rakete attackiert. Im Bezirk Boryspil am östlichen Stadtrand wurden dabei nach ukrainischen Angaben zwei Menschen getötet. Moskau erklärte dazu, Ziel seien Lastwagen für den Transport ukrainischer Langstreckendrohnen gewesen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneuerte am Donnerstag seine Forderung an die Verbündeten nach zusätzlicher Ausrüstung zur Abwehr ballistischer Raketen. Die Ukraine hatte ihrerseits in den vergangenen Monaten ihre Luftangriffe auf Ziele im russischen Staatsgebiet verstärkt. Der russische Angriffskrieg gegen das Nachbarland dauert inzwischen seit viereinhalb Jahren an.

Lesen Sie die Reportage aus der Ukraine: Tanken kann lebensgefährlich sein: Entlang einer wichtigen Fernstraße stürzen sich russische Drohnen auf Tankstellen, mehr als 200 sind schon in Flammen aufgegangen. Die Ukrainer reagieren mit Trotz .

hda/AFP