Vormarsch der Milizen Assads Truppen verlassen offenbar ihre Posten
Anti-Assad-Kämpfer in Homs: Die Blitzoffensive gegen den syrischen Diktator geht weiter
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Wie lange kann sich Syriens Diktator Baschar al-Assad noch halten? Regierungsfeindliche Kämpfer setzen ihre Großoffensive fort – und verkünden dabei immer neue Erfolge. Nun rücken die Milizen näher an Damaskus heran. Laut Angaben der Aufständischen und von Aktivisten sind die Kämpfer inzwischen bis auf wenige Kilometer an die syrische Hauptstadt herangerückt.
Die Regierungstruppen von Machthaber Assad hätten sich aus den rund zehn Kilometer südwestlich von Damaskus gelegenen Städten zurückgezogen, »die von lokalen Kämpfern eingenommen wurden«, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (OSDH), Rami Abdel Rahman, am Samstag. Das syrische Verteidigungsministerium dementierte den Rückzug seiner Truppen.
Kurz darauf erklärten regierungsfeindliche Kämpfer, sie hätten damit begonnen, Damaskus einzukreisen. Die Aufständischen hätten »mit der letzten Phase der Einkreisung der Hauptstadt Damaskus begonnen«, erklärte Hassan Abdel Ghani, ein Militärchef der islamistischen Allianz, welche die Offensive im Nordwesten des Landes gestartet hatte.
»Damaskus wartet auf euch«
Der Anführer der islamistischen Kämpfer der Miliz Hajat Tahrir al-Scham (HTS) stellte seinen Kämpfern derweil die Einnahme der Hauptstadt in Aussicht. »Damaskus wartet auf euch«, erklärte HTS-Anführer Ahmed al-Sharaa in einer am Samstag über den Messengerdienst Telegram verbreiteten Nachricht an die Aufständischen. Ahmed al-Sharaa ist auch unter seinem Kampfnamen Abu Mohammad al-Julani bekannt.
Zuvor hatten sowohl die Beobachtungsstelle als auch Vertreter der Aufständischen gemeldet, dass die regierungsfeindlichen Kämpfer inzwischen bis auf rund 20 Kilometer an die Hauptstadt Damaskus vorgerückt seien. Islamisten-Militärchef Ghani teilte der Nachrichtenagentur AFP mit: »Unsere Kräfte konnten die Kontrolle über die Saasaa (Sicherheits-)Abteilung im Umland von Damaskus gewinnen. Der Vormarsch auf die Hauptstadt geht weiter.«
Das syrische Verteidigungsministerium wies die Angaben zum Rückzug der Armee indes zurück. »Die Behauptung, dass sich unsere Streitkräfte, die in allen Gebieten im Umland von Damaskus präsent sind, zurückgezogen haben, ist nicht wahr«, hieß es aus dem Ministerium.
Die Syrische Beobachtungsstelle meldete derweil auch den Rückzug der Armee von Machthaber Assad aus der südlichen Provinz Kuneitra an der Grenze zu Israel. Die Provinz Kuneitra sei »zum ersten Mal frei von der syrischen Armee«, erklärte OSDH-Chef Rahman. Assads Truppen hätten »ihre militärischen und sicherheitspolitischen Stellungen geräumt«, die Beamten hätten »ihre Posten verlassen«.
Die Grundlagen zur aktuellen Lage in Syrien – kompakt erklärt
Am 27. November begannen syrische Milizen vom Nordwesten des Landes in Richtung Osten vorzurücken. Binnen Tagen gelangen ihnen wichtige Geländegewinne gegen die reguläre syrische Armee des Diktators Baschar al-Assad. So konnten die bewaffneten Gruppen unter anderem die Millionenstadt Aleppo einnehmen, die nach Damaskus zweitgrößte Metropole des Landes. Für viele Menschen kam die Offensive überraschend, tatsächlich war sie aber wohl über Monate hinweg geplant, wie Kämpfer und Beobachter vor Ort dem SPIEGEL berichteten.
2011 ließ Assad friedliche Proteste gewaltsam niederschlagen, in einem darauffolgenden jahrelangen Bürgerkrieg kämpfte die syrische Armee brutal gegen die eigene Bevölkerung. Schätzungen der Uno zufolge wurden mehr als 300.000 Menschen getötet. Nachdem Assad in den ersten Kriegsjahren kurz vor dem Sturz gestanden hatte, gelang es ihm zuletzt, seine Macht zu konsolidieren. Seit einer Waffenruhe zwischen verschiedenen Gruppierungen und dem Regime 2020 beherrschte der Diktator etwa zwei Drittel des Staatsgebiets, lediglich im Norden hielten die Assad-Gegner zuletzt noch bedeutende Gebiete.
In den vergangenen Stunden haben die Milizen zudem weitere wichtige Städte eingenommen. Daraa und die gleichnamige Provinz im Süden des Landes sind unter Kontrolle der Aufständischen. Dort hatte im Jahr 2011 der Aufstand gegen Präsident Assad begonnen, den dieser blutig niederschlagen ließ – was letztlich in den syrischen Bürgerkrieg mündete. Das syrische Militär hat sich laut staatlichen Angaben zudem auch aus der Provinz Suweida im Südwesten des Landes zurückgezogen. Im strategisch wichtigen Homs sind die Kämpfer bis an den Stadtrand vorgerückt. (Mehr zu den jüngsten Erfolgen der Aufständischen lesen Sie hier.)
Die islamistischen Kämpfer der HTS und verbündete Verbände hatten in der vergangenen Woche überraschend eine Großoffensive gegen die Armee des syrischen Machthabers Assad gestartet. Innerhalb kurzer Zeit brachten diese Kämpfer weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle, darunter die Großstädte Aleppo und Hama im Nordwesten.