Berichte über Tod von Alexej Nawalny Der Unerschrockene
Unerschrockene Opposition
Nach der Entlassung aus einer Moskauer Polizeiwache im Dezember 2011 spricht Alexej Nawalny vor Journalisten. Vor allem mit seinem Kampf gegen Korruption im Machtapparat unter Putin machte sich der Jurist viele Feinde. Nawalnys Anti-Korruptions-Fonds baute in vielen Teilen des Riesenreichs jahrelang eigene Strukturen auf. Als sie zunehmend auch politisch an Einfluss gewannen und Nawalnys Leute gewählt wurden, ließ die Führung in Moskau das Netzwerk zerschlagen und als »extremistisch« verbieten.
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Den Autoritäten zum Trotz
Russische Polizisten nehmen Alexej Nawalny 2019 während einer Kundgebung zur Unterstützung des investigativen Journalisten Iwan Golunow fest. Mehrfach musste sich der wohl prominenteste Kremlkritiker wegen seines Aufbegehrens gegen Putin und dessen Regierung vor der Justiz verantworten.
Maxim Shemetov / REUTERS
Anteilnahme
Nawalny auf einer Gedenkveranstaltung zum oppositionellen Aktivisten Boris Nemzow im Februar 2020. Nemzow war am 27. Februar 2015 in Moskau erschossen worden.
Überlebter Giftanschlag
In einem Rettungswagen wird Nawalny am 22. August 2020 in die Notaufnahme der Berliner Charité eingeliefert. Nach einem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok kämpften die Ärzte lange um das Leben des Kremlkritikers. 32 Tage wurde er in dem Krankenhaus behandelt 24 davon auf einer Intensivstation. »Putin weiß alles über mich, ich lebe unter totaler Beobachtung«, sagte Nawalny nach seiner Entlassung dem SPIEGEL. »Er weiß, dass ich weder ein Oligarch noch ein Geheimagent bin, sondern ein Politiker.«
Dem System entgegentreten
Besuch der Familie Nawalnys in der Berliner Charité. Dem Kampf gegen das System wollte er sich aber im Land selbst – und nicht aus dem Ausland heraus – stellen. Auch deshalb kehrte er im Januar 2021 aus Deutschland zurück, obwohl ihm Haft drohte. Im selben Jahr erhielt er auch den Sacharow-Preis des Europaparlaments für geistige Freiheit, den seine Tochter Dascha entgegennahm.
Kämpferherz
Dass die Haft im Straflager, wo viele Menschen unter ungeklärten Umständen sterben, lebensgefährlich ist, war Nawalny bewusst. Sein Team warf dem Kreml immer wieder vor, weiter alles dafür zu tun, Putins wichtigsten Gegner auszuschalten. Aus dem Straflager heraus prangerte der Politiker auch seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 als scharfer Gegner der Invasion nicht nur immer wieder russische Kriegsverbrechen an. Vor allem warnte er vor Putins Wiederwahl im kommenden Jahr.
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Isoliert
Alexej mit seiner Ehefrau Julija im Jahr 2013. Nach der Inhaftierung konnte das Paar kaum noch miteinander kommunizieren. »Briefe sind unser letztes Mittel der Verbindung«, so Nawalnaja 2023. Doch zuletzt seien weder Briefe von Nawalny noch Schriftstücke an ihn zugestellt worden, sagte seine Sprecherin Kira Jarmysch Anfang Dezember.
Ungebrochener Widerstand
Kommunalarbeiter übermalen ein Graffiti des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny in Sankt Petersburg. Auch aus dem Gefängnis heraus meldete sich Nawalny immer wieder kritisch zu Wort: »Alles, was ihr lest über den Horror und die faschistischen Verbrechen unseres Gefängnissystems, das ist alles die Wahrheit. Mit einer Richtigstellung: Die Wirklichkeit ist noch schlimmer«, schrieb Nawalny etwa auf Instagram.
Entschlossen bis zum Schluss
Nawalny bei einer Anhörung im August 2023. Immer wieder hatte der Familienvater fehlende medizinische Hilfe, Schikane und sogar Folter im Straflager beklagt. Bis zuletzt zeigte sich der sichtlich geschwächte Politiker aber etwa bei Auftritten bei Gerichtsverhandlungen entschlossen in seinem Ziel, ein »Russland ohne Putin« erreichen zu können.
Tödlicher Preis
Der berühmteste politische Gefangene des Landes starb am Freitag im Alter von 47 Jahren nach Angaben der Justiz in seiner sibirischen Strafkolonie. Er sei nach einem Spaziergang zusammengebrochen, Wiederbelebungsversuche hätten keinen Erfolg gehabt. Seinen unerschrockenen Kampf hat er nun mit dem Leben bezahlt.