Mutmaßlicher Anschlag Tote und Verletzte bei Explosion in Kabul
Der Eingang der Eid-Gah-Moschee in Kabul nach dem Anschlag
Foto: Felipe Dana / APDort fand zu dem Zeitpunkt die Beerdigung der Mutter eines ranghohen Taliban-Funktionärs statt, die in der vergangenen Woche verstorben war. Die Trauerfeier war öffentlich angekündigt worden. »Alle Menschen und Freunde sind eingeladen, teilzunehmen«, schrieb der Taliban-Funktionär Sabihullah Mudschahid auf Twitter. Auch er sprach von Toten und Verletzten, ohne eine Zahl zu nennen. Ziel des Anschlags sei eine Ansammlung von Menschen gewesen. Berichten zufolge sollen mehrere führende Mitglieder der Islamisten an der Trauerfeier teilgenommen haben. Es war die erste Bombenexplosion in Kabul, die eine Veranstaltung hochrangiger Taliban zum Ziel hatte.
Der Sprecher des Taliban-Innenministeriums, Kari Said Chosti, sagte der Deutschen Presse-Agentur, fünf Zivilisten seien bei der Explosion ums Leben gekommen. Anderen Berichten zufolge soll es mindestens zwölf Tote und mehr als 32 Verletzte gegeben haben. In letzter Zeit hatten die Taliban allerdings des Öfteren die Zahlen ihrer eigenen Opfer geringer angegeben als sie tatsächlich waren.
Die Taliban sperrten das Gebiet um die Moschee weiträumig ab. »Ich hörte das Geräusch einer Explosion in der Nähe der Eid-Gah-Moschee, gefolgt von Schüssen«, sagte der Besitzer eines Geschäfts in der Nähe der Moschee der Nachrichtenagentur AFP. Reporter von AFP, die sich an zwei unterschiedlichen Orten in der Hauptstadt aufhielten, hörten ebenfalls eine Explosion und Schüsse.
Vermehrt Angriffe des »Islamischen Staats«
Drei Verdächtige seien nach dem Anschlag festgenommen worden, sagte Chosti weiter. Die genaue Art der Explosion war zunächst nicht klar. Auch erklärte sich zunächst niemand für den Anschlag verantwortlich. Allerdings kommt es seit der Machtübernahme der Taliban Mitte August vermehrt zu Angriffen durch den »Islamischen Staat« (IS). Die beiden Gruppen sind verfeindet.
Die Terrormiliz IS ist vor allem im Osten des Landes stark und hat mehrere Anschläge in der Provinzhauptstadt Jalalabad für sich reklamiert. Angriffe in Kabul selbst waren bisher selten, doch in den vergangenen Wochen hat der IS sein Einflussgebiet in Richtung der Hauptstadt ausgedehnt. Am Freitag hatten die Taliban einen IS-Unterschlupf ganz in der Nähe der Hauptstadt angegriffen. Zuvor waren vier Talibankämpfer bei einem Bombenanschlag an einer Straße verletzt worden.
Mitte August hatten die Taliban die Macht in Afghanistan übernommen, deutlich schneller als von westlichen Experten erwartet worden war. Seitdem hat sich die humanitäre Lage im Land deutlich verschlechtert, viele Menschen haben nichts zu essen, auch das Bankensystem steht vor dem Kollaps. Die Taliban sind zudem leichter angreifbar als vorher, weil sie nun etwa Behörden und Polizeistationen mit eigenem Personal besetzen müssen.