Türkei: Staatsanwaltschaft will Prozess um Jamal Khashoggi einstellen lassen - DER SPIEGEL
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Ermordeter saudi-arabischer Journalist Türkische Staatsanwaltschaft will Khashoggi-Prozess einstellen lassen

Jamal Khashoggi wurde 2018 im Konsulat in Istanbul getötet. Der Mordprozess in der Türkei stockt laut Staatsanwaltschaft – nach Willen der Ankläger soll der Fall an Saudi-Arabien übergeben werden.
Gedenken an Jamal Khashoggi: Der Mord im saudi-arabischen Konsulat in der Türkei hatte die ohnehin belasteten Beziehungen zwischen Ankara und Riad weiter verschlechtert
Gedenken an Jamal Khashoggi: Der Mord im saudi-arabischen Konsulat in der Türkei hatte die ohnehin belasteten Beziehungen zwischen Ankara und Riad weiter verschlechtert

Gedenken an Jamal Khashoggi: Der Mord im saudi-arabischen Konsulat in der Türkei hatte die ohnehin belasteten Beziehungen zwischen Ankara und Riad weiter verschlechtert

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Emrah Gurel / AP

Der Fall des 2018 ermordeten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi sorgte weltweit für Entsetzen. In der Türkei hat sich die Istanbuler Staatsanwaltschaft nun für eine Einstellung des dortigen Verfahrens ausgesprochen. Der Prozess solle stattdessen nach Saudi-Arabien verlegt werden, forderte die Anklagebehörde laut Berichten der türkischen Nachrichtenagenturen DHA und Anadolu. Zur Begründung führte der leitende Staatsanwalt demnach an, dass der im Juli 2020 in Istanbul angelaufene Prozess auf der Stelle trete.

Die Anordnungen des Gerichts in dem Verfahren könnten nicht ausgeführt werden, da es sich bei den Angeklagten um ausländische Staatsbürger handele, wurde der Staatsanwalt zitiert. Anklagt sind 26 Verdächtige aus Saudi-Arabien – allerdings allesamt in Abwesenheit.

Der 59-jährige Regierungskritiker Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordet worden. Er hatte dort einen Termin zur Vorbereitung der Hochzeit mit seiner Verlobten, einer türkischen Staatsbürgerin. Offiziellen Angaben aus der Türkei und den USA zufolge wartete in der Vertretung ein 15-köpfiges Kommando aus Saudi-Arabien, tötete ihn, zerstückelte seine Leiche und ließ die sterblichen Überreste verschwinden.

Annäherung zwischen Ankara und Riad

Der Mordfall hatte zu einer Verschlechterung der ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und der Türkei geführt. Zuletzt hatten sich beide Länder allerdings wieder angenähert. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan machte seinerzeit Riad für den Tod des Journalisten verantwortlich, ohne jedoch direkt den Kronprinzen Mohammed bin Salman zu beschuldigen, der nach dem Mord international massiv unter Druck geriet. Anfang dieses Jahres hatte Erdoğan dann jedoch seinen ersten Besuch in dem Königreich seit dem Mord an Khashoggi angekündigt – die Visite fand bislang aber nicht statt.

Riad hatte 2018 nach wochenlangen Dementis schließlich zugegeben, dass Khashoggi »bei einem missglückten Einsatz zu seiner Festnahme« getötet worden sei. In einem Prozess in Saudi-Arabien wurden fünf Todesurteile verhängt, die später aber in Haftstrafen umgewandelt wurden.

Der Beginn des Verfahrens in der Türkei hatte unter anderem bei Angehörigen die Hoffnung auf tatsächliche Aufklärung geweckt. Die Entscheidung des Gerichts über eine Einstellung des Prozesses steht noch aus.

asc/AFP/dpa