Mit Blendgranaten und Schüssen in die Luft haben russische Truppen am Montag auf dem Platz des Friedens in Cherson pro-ukrainische Demonstranten auseinandergetrieben. Die Menschen hatten sich mutig den Besatzern entgegengestellt. Sie riefen: "Geht nach Hause!"
Ein Vertreter der Regionalregierung erklärte, die Demonstranten würden sich am Folgetag wieder versammeln. Cherson ist die erste ukrainische Großstadt, die Putins Truppen Anfang März unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Seitdem halten hier die Proteste an.
Eine diplomatische Lösung des Kriegs ist weiterhin nicht in Sicht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte in einem Interview, er wolle sein Volk in Entscheidungen über Kompromisse mit Russland einbeziehen.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine:
»Nichts wird allein vom Präsidenten entschieden. Es ist ein langer Prozess, der vom Parlament und der ukrainischen Nation entschieden wird. Damit meine ich die Verhandlungen mit Russland zu all diesen Themen. Ich habe mich mit den russischen Unterhändlern noch nicht getroffen, aber unseren Verhandlungspartnern erklärt: Wenn wir Änderungen von historischer Bedeutung wollen, müssen wir ein Referendum abhalten. Die Menschen müssen sich äußern dürfen zu dieser oder jener Form von Kompromiss. Wie ein Kompromiss aussehen kann, wird Thema der Gespräche zwischen Ukraine und Russland sein.«
Es könnte dabei vor allem um Sicherheitsgarantien und den Status der von Russland annektierten Krim-Halbinsel und der Separatisten-Gebiete im Donbass gehen. Selenskyj betonte, nur in einem direkten Treffen mit Wladimir Putin könne er verstehen, was Russland tun würde, um den Krieg zu beenden. Putin hatte ein solches Treffen bislang abgelehnt. Seine Armee setzte die Angriffe auf ukrainische Städte fort. Diese von der Nachrichtenagentur Reuters verifizierten Drohnenaufnahmen des paramilitärischen Asow-Batallions zeigen den Beschuss von Industrieanlagen in Mariupol.