Russland versus Ukraine Trump gibt Selenskyj Mitschuld an Abnutzungskrieg
Wolodymyr Selenskyj
Foto: Susan Walsh / AP / dpaDer neue US-Präsident Donald Trump hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erneut eine Mitschuld am Anhalten des russischen Angriffskriegs gegeben. »Er hätte auch nicht zulassen dürfen, dass dies geschieht. Er ist kein Engel. Er hätte diesen Krieg nicht zulassen dürfen«, sagte Trump dem Sender Fox News. Allerdings hatte Kremlchef Wladimir Putin im Februar 2022 den Angriffskrieg auf die benachbarte Ukraine befohlen.
Trump sagte in dem Interview zwar nicht ausdrücklich, dass Selenskyj hätte kapitulieren sollen. Er formulierte es aber wie einen Vorwurf an den Präsidenten, dass dieser sich auf den Kampf gegen einen deutlich überlegenen Gegner eingelassen habe: »Er hätte das nicht tun sollen.«
Man hätte einen »Deal« machen können, sagte Trump und fügte hinzu: »Ich hätte so einfach einen Deal machen können. Und Selenskyj hat entschieden, ›Ich will kämpfen‹«. Die Ukraine verteidigt sich seit knapp drei Jahren mit westlicher Hilfe gegen die Angriffe.
Russland habe 30.000 Panzer gehabt, Selenskyj keinen einzigen, sagte Trump. Dann hätten die USA und die Verbündeten angefangen, immer mehr Ausrüstung zu liefern – und die Ukrainer hätten den Mut gehabt, diese zu nutzen.
Trump hatte bereits im Wahlkampf gesagt, er könne den russischen Angriffskrieg in 24 Stunden beenden – blieb aber Details schuldig, wie er das erreichen wollte. Vor der US-Präsidentschaftswahl hatte er auch Selenskyj bereits kritisiert, weil der ukrainische Präsident sich aus seiner Sicht weigere, einen »Deal« einzugehen. Jüngst wiederholte Trump jedoch, der Krieg müsse enden, und drohte Russland erneut mit Sanktionen und Zöllen. Sein Ukraine-Sondergesandter Keith Kellogg hatte jüngst gesagt, er setze sich ein Hundert-Tage-Ziel zur Beendigung des Kriegs.
Selenskyj begrüßt Trumps Öl-Vorstoß
Derweil begrüßte Selenskyj einen Vorschlag Trumps, den russischen Angriffskrieg durch eine drastische Senkung des Ölpreises zu beenden. Besonders Öl bleibe einer der Schlüsselfaktoren, um Frieden und echte Sicherheit zu erreichen, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Wichtig sei, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten, weil das Land versuche, die Aggression und die Besatzung fortzusetzen.
Trump hatte zuvor erklärt, er wolle den Krieg in der Ukraine durch einen niedrigen Ölpreis beenden und mit der Opec und Saudi-Arabien über eine Senkung der Kosten reden. »Wenn der Preis sinken würde, dann würde der russisch-ukrainische Krieg sofort aufhören«, sagte Trump in seiner per Videoschalte gehaltenen Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos. »Im Moment ist der Preis hoch genug, damit der Krieg weitergeht«, sagte Trump. »Ich werde Saudi-Arabien und die Opec bitten, die Kosten für Öl zu senken.« Der Preis müsse fallen.
Russland finanziert seinen Angriffskrieg unter anderem mit dem Verkauf von Öl an Indien und China. Alle bisherigen Versuche des Westens – von einem Embargo für russisches Öl in den USA über einen Preisdeckel in der EU bis hin zu Sanktionen gegen Tanker – brachten nicht den von der Ukraine erhofften Erfolg, eine der wichtigsten Finanzierungsquellen für Moskaus Krieg auszutrocknen.
»Man muss den Preis senken, so kann man den Krieg beenden«, sagte Trump. Er selbst hatte zuvor auch erklärt, die Ölproduktion in den USA deutlich hochzufahren. Ein höheres Angebot auf dem Weltmarkt würde die Preise fallen lassen.
Raketenangriff auf Saporischschja
Trump erklärte mehrfach, auch bald mit Putin über eine Beendigung des Kriegs sprechen zu wollen. Bisher hat er jedoch keinen Plan präsentiert, wie er zu einem Frieden kommen will.
Die russischen Truppen setzten indes ihren Vormarsch im Donbass fort und verübten auch neue Luftschläge. In der südukrainischen Stadt Saporischschja stieg die Zahl der Verletzten nach einem russischen Raketenangriff auf 52, wie Selenskyj mitteilte. Ein Mensch starb demnach.