Kriegsspiele gehören zum Repertoire von Kindern überall auf der Welt – sehr zur Irritation vieler Eltern.
Ortsmarke: Stojanka, bei Kiew
Hier, westlich von Kiew, wo bis vor Kurzem tatsächlich noch Soldaten aufeinander schossen, wirkt das Spiel mit den Waffen umso beklemmender.
Valentyn:
»Wir wollen Soldaten werden, wenn wir groß sind. Wir wollen zur Armee!«
Zusammen mit seinem älteren Bruder/Freund (warte noch auf Reuters-Info) Andrij hat Valentyn rund ums Haus seiner Eltern mehrere »Checkpoints« gebaut. Sie ahmen spielerisch nach, was sie gesehen haben, als ukrainische Truppen ihr Dorf im März gegen russische Soldaten verteidigten.
Andrij:
»Putin und seine kleinen Soldaten sollten hier nie wieder einen Fuß hinsetzen. Unsere Ukrainer haben sie zerstört. Ich will, dass die Ukraine gewinnt, damit es lange Frieden geben kann. Ich hoffe, Selenskyj bleibt Präsident. Er ist der beste Präsident der Welt. Eine Bombe. Er ist der mutigste und coolste Präsident überhaupt!«
Sätze, die sicherlich stark von der ukrainischen Kriegspropaganda geprägt sind – und möglicherweise auch zu solchen Zwecken gezielt veröffentlicht werden. Die »bewaffneten« Brüder von Stojanka sind inzwischen jedenfalls kleine Berühmtheiten in der Region.
Andrij:
»Wir graben und graben schon seit zwei Tagen. Ein anderer Kumpel hat uns ein bisschen geholfen, Zhenya. Das ist interessant und aufregend. Es fühlt sich so an, als ob dich die Leute kennen. Alle lieben dich.«
Die Kinder zielen mit Plastikgewehren. Aber die Begriffe aus den Nachrichten und den Gesprächen der Eltern prägen auch die Fantasie. Auf Waffenlieferungen warten müssen die beiden jedenfalls nicht.
Andrij:
»Wir wollen uns Maschinengewehre bauen. Wir haben schon Bazookas, Raketenwerfer, sogar Flugabwehrraketen. Alles aus Holz. Ich hab die selbst gebaut, die Raketen, und sogar Haubitzen! Mit nur ein bisschen Hilfe.«
Kindheit im Krieg: so sieht das bei Andrij und Valentyn aus. Man kann sich bessere Startbedingungen für das Heranwachsen vorstellen.