Der russische Angriff auf die ukrainische Infrastruktur zwingt die Ärzte in der Hauptstadt Kiew zu ungewöhnlichen Methoden: Wegen Stromausfalls operieren die Mediziner in diesem Krankenhaus notgedrungen im Lichtschein zweier Handys. Andere Ärzte berichteten der Agentur Associated Press, sie hätten mit Stirnlampen arbeiten müssen. Nur wenige Minuten ohne Licht könnten das Leben der Patienten kosten. Viele geplante Operationen werden verschoben, Beatmungs- oder Röntgengeräte funktionieren nicht, Patientenakten sind wegen Internetausfällen nicht verfügbar. Und sanitäter untersuchen Patienten in dunklen Wohnungen mit Hilfe von Taschenlampen. Kaputte Aufzüge, etwa in Cherson, machen ihnen das Leben doppelt schwer. Dabei sind gerade die medizinischen Kräfte und Einrichtungen gefordert wie nie zuvor. Die russischen Angriffe fordern immer mehr zivile Opfer. Wie etwa in Wyschhorod im Norden von Kiew.
Galina Alekseenko, Einwohnerin Wyschhorod: »Am Tag des Angriffs war ich mit meinen drei Enkelkindern zu Hause. Zuerst hörten wir die Sirenen, dann hörten wir zwei Raketen. In diesem Moment ließ ich meine Enkelkinder auf dem Kissen liegen. Die dritte Rakete schlug genau gegenüber von unserem Haus ein, und die Fenster gingen durch die Explosion zu Bruch. Ich habe versucht, meine Enkelkinder zu schützen. Das Haus dort drüben stürzte ein, und auch unser Haus wurde bei dem Angriff zerstört. Mein Sohn und meine Schwiegertochter wurden verwundet und werden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt.«
Aber selbst in der Hauptstadt können die Krankenhäuser nicht arbeiten wie gewohnt. Laut ukrainischem Gesundheitsminister Viktor Ljaschko benötigten die Kliniken wegen der Stromausfälle dringend weitere Generatoren. Außerdem verfügen sie derzeit nur für sieben Tage über genügend Treibstoff. Der Kreml streitet immer wieder ab, dass Russland auch zivile Einrichtungen angreifen würde. Doch erst vergangene Woche wurden beim Raketenbeschuss von Krankenhäusern im Osten des Landes insgesamt drei Menschen getötet und zwei Ärzte schwer verletzt.