Russischer Angriff auf Infrastruktur Stromversorgung an Tschernobyl-Schutzhülle unterbrochen
Kernkraftwerk Tschernobyl (2017)
Foto: Yevhenii Zavhorodnii / Global Images Ukraine / Getty ImagesAn der Schutzhülle um den zerstörten Reaktorblock des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine ist nach Kyjiwer Regierungsangaben der Strom ausgefallen. Verantwortlich dafür sei ein russischer Angriff in der Region. Fachleute arbeiteten daran, die Versorgung wiederherzustellen, teilte das ukrainische Energieministerium auf Telegram mit.
Demnach traf der russische Angriff ein Umspannwerk in der Stadt Slawutytsch, die knapp 50 Kilometer vom AKW Tschernobyl entfernt liegt. Auch in der Kleinstadt, in der früher die Bedienungsmannschaften des Werks lebten, fiel der Strom aus. »Aufgrund russischen Beschusses auf die Energieinfrastruktur in der Region Kyjiw ist es zu einer Notsituation in den Anlagen des Kernkraftwerks Tschernobyl gekommen«, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums.
In seiner Stellungnahme führte das Ministerium aus, dass die neue Schutzhülle »infolge von Stromspitzen« von der Stromversorgung »abgeschnitten« worden sei. Die Hülle isoliert den zerstörten vierten Reaktorblock des Kernkraftwerks Tschernobyl und verhindert die Freisetzung radioaktiver Strahlung.
Für die drei stillgelegten Reaktoren des Werks sei zur Versorgung auf eine andere Stromleitung umgeschaltet worden, teilte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien mit. Der sogenannte Sarkophag um den 1986 explodierten vierten Block werde mit zwei Dieselgeneratoren versorgt.
Präsident Selenskyj warnt vor globaler Gefahr
Moskau äußerte sich zunächst nicht dazu. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte nach dem Vorfall, Russland sei eine Gefahr für die globale Sicherheit.
»Jeder Tag, an dem Russland den Krieg verlängert, sich weigert, einen vollständigen und verlässlichen Waffenstillstand umzusetzen, und weiterhin alle Objekte unserer Energieinfrastruktur angreift – einschließlich derjenigen, die für die Sicherheit von Kernkraftwerken und anderen nuklearen Anlagen von entscheidender Bedeutung sind -, ist eine globale Bedrohung«, schrieb Selenskyj im Onlinenetzwerk Facebook.
In Kopenhagen beraten die EU-Staats- und Regierungschefs bei einem informellen Gipfel derzeit über Verteidigung und Aufrüstung. Auch der ukrainische Präsident Selenskyj wird daran am Donnerstag teilnehmen. Das bestätigt die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen.
Selenskyj werde eine Rede vor der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) halten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte die EPG im Mai 2022 angeregt. Ziel ist es, ohne eine Beteiligung Russlands auch mit europäischen Ländern außerhalb der EU beraten zu können. An der EPG sind inzwischen fast 50 Staaten beteiligt.
In Tschernobyl ereignete sich das schwerste Unglück in der Geschichte der Atomkraft. Die Reste des vierten Reaktorblocks sind seit 2019 mit einer 100 Meter hohen Schutzhülle ummantelt. Zum Betrieb dieser Anlage, unter anderem der Lüftung, ist Strom notwendig. Im Februar 2025 beschädigte eine russische Drohne den doppelwandigen Sarkophag.
Bereits im Februar war die Schutzhülle des Reaktors bei einem russischen Drohnenangriff beschädigt worden. Die Strahlenbelastung habe sich jedoch nicht erhöht, erklärten die ukrainischen Behörden damals.