Krieg gegen die Ukraine Selenskyj sieht nur geringe Überlebenschance ohne Hilfe der USA
Wolodymyr Selenskyj in München: Treffen mit US-Vize J. D. Vance
Foto: Matthias Schrader / AP / dpaDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fürchtet, dass sein Land ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten im Verteidigungskampf gegen Russland nicht bestehen kann. »Wir werden nur eine geringe Chance haben, ohne die Unterstützung der Vereinigten Staaten zu überleben«, sagt Selenskyj am Freitag in einem Interview mit dem US-Fernsehsender NBC.
Zuvor hatte sich Selenskyj abermals bereit erklärt, mit Russland über ein mögliches Ende des Krieges zu sprechen. Das sagte er am Freitag im Rahmen der Münchener Sicherheitskonferenz. Er stellte für solche Verhandlungen allerdings klare Bedingungen und fordert »Sicherheitsgarantien«.
Selenskyj möchte zunächst eine Einigung zwischen der Ukraine und ihren Verbündeten. Erst, wenn man einen Plan zur Beendigung des Krieges entwickelt habe, werde er sich auf ein Treffen einlassen. Mit wem zu sprechen er dann bereit sei, grenzte der ukrainische Staatschef ebenfalls ein. »Ich werde mich mit den Russen treffen – mit nur einem Russen, mit Putin«, sagte er und fuhr fort: »Und wir werden mit Putin zusammensitzen und den Krieg beenden.«
Russlands Machthaber Wladimir Putin hatte bisher direkte Gespräche mit Selenskyj ausgeschlossen, mit der Begründung, der ukrainische Präsident sei illegitim im Amt. Die Ukraine hatte wegen des geltenden Kriegsrechts darauf verzichtet, im Jahr 2024 Präsidentschaftswahlen abzuhalten.
Selenskyj fordert, dass USA und Europa sich zusammenschließen
Der ukrainische Präsident forderte am Freitag außerdem, es dürften keine Entscheidungen über die Ukraine getroffen werden, ohne das Land zu beteiligen. Er rief dazu auf, dass die USA sein Land gemeinsam mit Europa unterstützen.
Selenskyj spielt damit auf ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin an. Die beiden hatten sich am Mittwoch ausgetauscht. Trump hatte sich davor nicht mit den Verbündeten der Ukraine in Europa abgestimmt. Nach dem Telefongespräch hatte er verkündet, er habe mit Putin einen »unverzüglichen« Beginn von Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine vereinbart.
Dies weckte die Befürchtung, die Ukraine wie auch die europäischen Partner würden von Gesprächen ausgeschlossen. Später stellte die US-Regierung klar, dass Kyjiw an möglichen Verhandlungen beteiligt werden solle. US-Vizepräsident J. D. Vance machte seinerseits am Freitag bei der Sicherheitskonferenz in München deutlich, dass auch die Europäer dabei sein sollten.
Vance sprach in München rund 40 Minuten mit dem ukrainischen Staatschef. Er sagte später, die Trump-Administration sei entschlossen, einen dauerhaften Frieden zwischen der Ukraine und Russland zu finden. »Wir wollen, dass das Töten aufhört. Wir wollen keinen Frieden, der Osteuropa in ein paar Jahren wieder in einen Konflikt stürzt.«
Frage nach möglichem Nato-Beitritt bleibt ungeklärt
Selenskyj betonte: »Wir wollen den Frieden sehr.« Er berichtete außerdem von einem Telefonat mit Trump nach dessen Gespräch mit Putin. Der US-Präsident habe ihm seine Telefonnummer gegeben und gesagt: »Sie können jederzeit anrufen.«
Derweil bekam die Ukraine für die vom Land angestrebte Nato-Mitgliedschaft Unterstützung aus Großbritannien. Premierminister Keir Starmer bekräftigte in einem Telefonat mit Selenskyj das Bekenntnis Großbritanniens, dass die Ukraine auf einem »unumkehrbaren Weg« in das Militärbündnis sei. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte am Mittwoch eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine als Ergebnis von Verhandlungen zum Ukrainekrieg ausgeschlossen.