USA greifen Ziele in Iran an, Teheran meldet Gegenschläge - DER SPIEGEL
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Nach Attacke auf Frachtschiff USA greifen Ziele in Iran an – Revolutionswächter melden Gegenschläge

Die USA beschuldigen Iran, ein Schiff in der Straße von Hormus attackiert zu haben – und greifen iranische Ziele an. Iran meldet danach Attacken auf US-Ziele in der Region. US-Vizepräsident JD Vance droht: »Gewalt wird mit Gewalt beantwortet.«
US-Kampfjets während des Irankriegs im März dieses Jahres
US-Kampfjets während des Irankriegs im März dieses Jahres

US-Kampfjets während des Irankriegs im März dieses Jahres

Foto: Navy / U.S. Navy / ZUMA Press Wire / IMAGO

Erstmals seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens mit Teheran zur Beilegung des Kriegs  hat das US-Militär wieder Ziele in Iran attackiert. Die Angriffe aus der Luft auf iranische Raketen- und Drohnenlagerstätten sowie küstennahe Radaranlagen seien als Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff am Donnerstag erfolgt, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando Centcom am späten Freitagnachmittag US-Ostküstenzeit mit.

Schiffe im Golf von Oman

Schiffe im Golf von Oman

Foto:

AP / dpa

US-Präsident Donald Trump hatte den Angriff auf das Frachtschiff zuvor Iran zugeschrieben und als Verstoß gegen die Waffenruhe-Vereinbarung gewertet. Seinen Angaben nach startete Iran mindestens vier Drohnenangriffe gegen Schiffe in der Straße von Hormus. Eine der Drohnen habe ein Frachtschiff getroffen, das seine Fahrt trotz Schaden fortsetzen konnte. Die Attacken seien »offensichtlich ein törichter Verstoß gegen unsere Waffenruhe-Vereinbarung«, schrieb Trump auf Truth Social.

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Als Reaktion auf die US-Angriffe habe die Marine der iranischen Revolutionswächter (IRGC) US-Ziele in der Region attackiert, hieß es in einer Stellungnahme der iranischen Eliteeinheit. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht, eine Bestätigung von US-Seite stand zunächst aus.

Was über die US-Angriffe bekannt ist

Aus der iranischen Stadt Sirik wurden iranischen Berichten zufolge in der Nacht zu Samstag Explosionsgeräusche gemeldet. Das berichtete unter anderem das Staatsfernsehen Irib. Die Stadt in der Provinz Hormusgan liegt am Persischen Golf nahe der Straße von Hormus und war bereits in der Vergangenheit immer wieder Ziel von US-Angriffen. Auch von der Insel Qeschm wurden demnach Einschläge von Projektilen gemeldet.

Mehrere US-Medien berichteten unter Berufung auf einen US-Beamten, dass sechs Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe vier iranische Stellungen entlang der Straße von Hormus und auf der Insel Qeschm angegriffen hätten. Die Angriffe hätten demnach etwa 90 Minuten gedauert.

Iranische Medien berichten, es habe nach dem US-Angriff keine Schäden am Hafen von Sirik gegeben. Die Lage vor Ort sei normal, meldet die iranische Nachrichtenagentur »Mehr« unter Berufung auf einen örtlichen Behördenvertreter.

Auslöser: Drohnenattacke auf Frachtschiff

Am Donnerstag war ein Angriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus bekannt geworden. Nach Angaben des US-Militärs traf Iran das unter singapurischer Flagge fahrende Handelsschiff mit einer Drohne, als dieses die Straße von Hormus entlang der omanischen Küste verließ. Die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) teilte mit, ein »unbekanntes Projektil« habe die Brücke des Schiffs beschädigt.

Der Vorfall vor der Küste Omans ereignete sich, wenige Stunden nachdem Irans Revolutionswächter gewarnt hatten, dass Durchfahrten nur auf von Teheran festgelegten Routen sicher seien.

Als Reaktion auf den Angriff auf das Schiff unterbrach die Weltschifffahrtsorganisation IMO zunächst ihre Evakuierung festsitzender Seefahrer. Bis zu der Unterbrechung ihrer Mission in der Straße von Hormus konnte sie nach eigenen Angaben 2500 Seefahrer evakuieren.

Im Zuge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran hatte die Islamische Republik Anfang März die wichtige Meerenge durch Drohungen und Angriffe für den Schiffsverkehr weitestgehend gesperrt. Die USA reagierten im Verlauf mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verlassen sollten. Im Zuge des Rahmenabkommens wurden beide Blockaden inzwischen aufgehoben.

Kämpfe statt Waffenruhe

Washington und Teheran hatten sich nach mühsamen Verhandlungen jüngst auf diese Vereinbarung geeinigt. Sie trat vergangene Woche in Kraft und umfasst unter anderem ein vorläufiges Ende der Kampfhandlungen sowie die Wiedereröffnung der für den weltweiten Ölhandel zentralen Straße von Hormus. Das Rahmenabkommen gilt zudem als Ausgangspunkt für vertiefte Verhandlungen. Diese sind zunächst auf 60 Tage angesetzt und sollen unter anderem das umstrittene iranische Atomprogramm in den Fokus nehmen. Nach den jüngsten Angriffen war zunächst unklar, was nun daraus wird.

US-Vizepräsident JD Vance schrieb nach den Angriffen seines Landes auf der Plattform X, dass Iran ein Abkommen über eine Waffenruhe unterzeichnet habe. Die USA hätten sich daran gehalten. Sollten iranische Vertreter Einwände gegen die Umsetzung der Vereinbarung haben, könnten sie sich telefonisch melden. »Gewalt wird jedoch mit Gewalt beantwortet«, betonte er.

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Die iranischen Revolutionswächter verwiesen in ihrer Stellungnahme zu Gegenschlägen ebenfalls auf die vereinbarte Waffenruhe. Laut Rahmenvereinbarung liege die Verantwortung für die Regelung des Verkehrs durch die Straße von Hormus bei Iran, hieß es dort.

Das »Wall Street Journal« zitierte einen hochrangigen US-Beamten mit der Aussage, dass die Waffenruhe trotz der erneuten Angriffe weiterhin bestehe. Die US-Angriffe seien ausschließlich eine Vergeltungsmaßnahme für den Angriff auf das Frachtschiff, hieß es.

Der SPIEGEL-Leitartikel zum Konflikt im Nahen Osten: Trump wollte Iran brechen – und hat den Nahen Osten verloren 

hda/pad/dpa