Pressefreiheit in den USA Pentagon entlässt Führungsriege von Militärzeitung
Verteidigungsminister Pete Hegseth
Foto: Jim Watson / AFPDas US-Verteidigungsministerium hat am Freitag mehrere führende Mitarbeiter der traditionsreichen Militärzeitung »Stars and Stripes« entlassen. Darunter Chefredakteur, Herausgeber und die Reporterin, die für den Nahen Osten zuständig war. Die Zeitung wird zum Teil vom Staat finanziert. Formell sind die Journalisten der Zeitung Angestellte des Pentagon.
Chefredakteur Erik Slavin führte seine Entlassung auf seine entschiedene Haltung gegen jegliche Zensur zurück: Im Juli hatte er in einem Interview mit dem Sender CBS News über Meinungsverschiedenheiten mit dem Pentagon berichtet. Slavin wehrte sich damals gegen redaktionelle Einmischung und verteidigte das Recht auf freie Berichterstattung seiner Zeitung.
Auf die Frage im CBS-Interview, ob es für ihn »rote Linien« gebe, nannte Slavin ein hypothetisches Beispiel: »Veröffentlichen Sie nicht diesen absolut korrekten Bericht, sondern bringen Sie stattdessen diesen hier. Hier ist er, verfasst vom Pentagon.« Eine solche Anweisung wäre für ihn eine rote Linie.
Reporterin Lara Korte erklärte auf X: »Heute wurde mir mitgeteilt, dass das Verteidigungsministerium mich wegen Ungehorsams entlässt, nachdem ich einem CBS-Reporter gesagt hatte, dass ich für ›Stars and Stripes‹ arbeite – und nicht für das Pentagon, irgendeine Regierung oder politische Entscheidungsträger.«
Herausgeber trat kurz zuvor zurück
Herausgeber Max Lederer, der seit 2007 als Herausgeber der Zeitung fungierte und erst drei Tage zuvor seinen Ruhestand angekündigt hatte, wurde CBS zufolge über seine Entlassung in Kenntnis gesetzt. Für seinen Rücktritt hatte er sich nach eigenen Angaben selbst entschieden, weil sich seine Führungsphilosophie sowie sein »Verständnis für den Wert und den Auftrag« der Zeitung in »grundlegender Weise« von den Plänen unterschieden hätten, die das Pentagon für die Publikation verfolgt.
Kurz vor Lederers Rücktrittsankündigung wurde der aktive Marinekapitän William Urban als stellvertretender militärischer Herausgeber installiert – ein Schritt, mit dem die Unabhängigkeit der Publikation in den Augen vieler Beobachter, darunter demokratische Kongressmitglieder, weiter beschnitten wurde. Urban arbeitete zuvor unter anderem als Pentagon-Sprecher.
Das Pentagon wird vom Republikaner Pete Hegseth geführt, der das Ministerium als »Kriegsministerium« bezeichnet und sich selbst »Kriegsminister« nennen lässt. Es hatte in diesem Jahr mitgeteilt, es wolle die Berichterstattung von »Stars and Stripes« von »woken Ablenkungen« befreien, und neue, strengere Vorgaben gemacht. Im April war bereits die Ombudsfrau der Zeitung entlassen worden.
»Stars and Stripes« berichtet seit dem amerikanischen Bürgerkrieg über Militärthemen. Die Zeitung wird zwar teilweise vom Verteidigungsministerium finanziert, wahrt aber ihre redaktionelle Unabhängigkeit und übte immer wieder Kritik. Sie gilt als Symbol für »das freie Denken und die Meinungsfreiheit eines freien Volkes«.
Die Kündigungen erfolgten nur wenige Tage nachdem die Zeitung über die prekären Bedingungen für die Besatzungsmitglieder an Bord des Flugzeugträgers USS »Abraham Lincoln« berichtet hatte. Der monatelange Einsatz des Schiffes in der Nahost-Krisenregion und Berichte über unhaltbare Zustände an Bord hatten für Kritik in den USA gesorgt. Der in »Stars and Stripes« veröffentlichte Text löste zudem erneut Kritik am Irankrieg aus.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, das US-Verteidigungsministeriums werde mittlerweile offiziell als »Kriegsministerium« bezeichnet. Tatsächlich wird diese Bezeichnung als Zusatz von der US-Regierung verwendet, die Bezeichnung als Verteidigungsministerium hat allerdings weiterhin Bestand.