Bürgermeister Zohran Mamdani Der Underdog
Zohran Mamdani schreibt an diesem Abend politische Geschichte: Der 34-Jährige, geboren in Uganda, mit indischen Wurzeln und erst seit 2018 amerikanischer Staatsbürger, ist zum 111. New Yorker Bürgermeister gewählt worden – als erster Muslim überhaupt. Auch ist er der jüngste Bürgermeister der Ostküstenmetropole seit einem ganzen Jahrhundert.
Bei seiner Wahlparty in Brooklyn winkt Mamdani dem Publikum zu. Neben ihm: seine Frau, die 28-jährige Künstlerin Rama Duwaji. Das Paar lernte sich vor vier Jahren über die Dating-App »Hinge« kennen – nun ist sie bald die erste Gen-Z-First-Lady der Stadt.
Mit mehr als 50 Prozent der Stimmen gewinnt der Demokrat deutlich. Über zwei Millionen New Yorkerinnen und New Yorker sind an die Urnen gegangen, so viele wie seit 1969 nicht mehr. Seine klare Haltung, auch in der Kritik an Israels Regierung, verschafft ihm Respekt. Seine Kampagne hat auf Nähe und Charisma gesetzt, Mamdani verspricht, die teure Stadt bezahlbarer zu machen.
»New York bleibt eine Stadt der Einwanderer«, sagt er in seiner Siegesrede, direkt adressiert an Präsident Donald Trump, der ihn einen »kommunistischen Irren« genannt hat. Und New York ist jetzt eine Stadt, die von einem Einwanderer geführt wird.
Die Angriffe seiner Kritiker waren heftig und kamen nicht nur aus der anderen Partei. Mit mehr als 18 Millionen Dollar versuchten Milliardäre wie Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg, ebenfalls Demokrat, Mamdanis Wahl zu verhindern. Rechtspopulistische Kampagnen stellten ihn als radikalen Außenseiter und Antisemiten dar; in KI-generierten Videoclips wurden rassistische Klischees bedient.
Doch für viele Wähler verkörpert er genau das, was New York sein will: widerständig, divers, solidarisch, progressiv. Eine Vision von einer Stadt, »die sich normale Menschen leisten können«. Nach seiner Wahl beruft Mamdani ausschließlich Frauen in sein Übergangsteam. Er kreiert den Gegenentwurf zu dem Land, das Trump sich wünscht.