30 Jahre Opel Manta Ein Rochen auf Rädern
Rüsselsheim - Wenn das der Rochen wüsste: Da schwebt er seit Urzeiten mächtig und elegant durch die Tiefen der Weltmeere - und dann wird er abseits seines angestammten Reviers zum Inbegriff automobiler Peinlichkeit. Seit der Manta , wie der Flügelrochen auch heißt, als Typenschild die Kotflügel Rüsselsheimer Familiensportwagen zierte, musste er für ungezählte Witze und zweifelhafte Auto-Komödien herhalten. Dabei hatte alles so harmlos begonnen.
Als Ende der sechziger Jahre das Gerücht von einem neuen Opel die Runde machte, waren Experten und Fachzeitschriften begeistert. Schon vor der offiziellen Präsentation Anfang 1970 gelangte der Name, über den Opel lange gegrübelt hatte, an die Öffentlichkeit - durch eine gezielte Indiskretion: Schließlich waren die Rüsselsheimer stolz auf ihre Wortschöpfung. Auch beim Design des Manta-Logos hatte sie sich reichlich Mühe gegeben. Für das Emblem sollen sogar Manta-Fotos des berühmten Meeresforschers Jacques Cousteau beschafft worden sein.
Als der Manta dann offiziell präsentiert wurde, zollten ihm Experten und Käufer allseits reichlich Anerkennung. Die Form mit den typischen Doppelscheinwerfern vorn und der modischen Dachlinie war gelungen, das Fahrwerk sportlich und modern. Dass die doppelten, runden Rückleuchten an den aktuellen Opel-Sportler GT erinnerten, vertrug sich bestens mit dem sportiven Image des Manta.
Dass der Manta überhaupt kam, hat in erster Linie einen Grund - und der hieß Capri. Ford fuhr mit seinem Großseriensportler damals große Verkaufserfolge ein. Und so folgte Opel mit dem Manta der gleichen Idee. Der neue Wagen sollte wie der Capri sportlich wirken, aber auch ein familientaugliches Automobil sein. So hatten im Innenraum fünf Personen Platz. Im Heck fand sich ein Kofferraum, der auch für das Urlaubsgepäck reichte.
Bei der Motorenauswahl stand ebenfalls nicht reine Sportlichkeit im Vordergrund. Schließlich begann der Einstieg in die Mantawelt mit einem gerade 68 PS starken 1,6-Liter Motor. Später wurde als Basistriebwerk sogar eine nur 60 PS starke Maschine aus dem kleineren Kadett angeboten.
So vergingen 17 Sekunden, bis die motorschwächsten Mantas Tempo 100 erreicht hatten, bei 154 km/h war dann schon wieder Schluss. Natürlich gab es auch stärkere Aggregate mit 80 und 90 PS, die immerhin 170 km/h ermöglichten. Mit den starken Sechszylinder-Capris konnte es der Manta aber - zumindest anfangs - nicht aufnehmen.
Für die erwünschte Sportlichkeit mussten Details sorgen. So bot Opel in der SR-Version einen mattschwarzen Kühlergrill, eine ebenfalls mattschwarze Kühlerhaube und Rallyestreifen an den Seiten an.
Wer wollte, konnte aber auch komfortabel durch die Landschaft fahren. Die Klimaanlage stand ebenso in den Aufpreislisten wie ein Automatikgetriebe. Und weil es besonders schick war, gab es auch einen Vinylbezug für das Dach.
Richtig sportlich wurde es im Manta erst zur Internationalen Automobil-Ausstellung 1973, wo Opel den Manta GT/E präsentierte. Neben den schon bekannten mattschwarzen Farbtupfern zeichnete ihn vor allem der Motor aus: Das 1,9-Liter-Aggregat hatte eine Einspritzanlage und leistete immerhin 105 PS. Damit war der Manta fast 190 km/h schnell.
Wer mehr Leistung suchte, wurde in den Niederlanden fündig. Dort verpflanzte ein Unternehmen den 2,8-Liter-Sechszylinder der großen Opel-Modelle Admiral und Commodore unter die Manta-Haube. Mit 142 PS beschleunigte der TE 2800 in knapp zehn Sekunden auf Tempo 100 und erreichte ein Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h.
Doch auch ohne derartige Kraftspritzen war der Manta ein echtes Erfolgsmobil. Allein im Jahr 1971 fanden sich 56.200 Käufer. Und als die Produktion 1975 auslief, waren rund eine halbe Million Exemplare gebaut worden.
Die Geschichte des Manta war allerdings längst nicht zu Ende - eigentlich begann sie erst. Dem fortan Manta A genannten Erstling folgte der Manta B: jenes Modell, das heute noch im Zeichen der Spoiler und Mannis durch die Witzesammlungen geistert.
Heiko Haupt