IAA Nutzfahrzeuge Der Laden brummt
"Die IAA Nutzfahrzeuge baut ihre internationale Spitzenstellung als weltweit wichtigste Mobilitätsmesse weiter aus", jubiliert Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA), der die Branchenschau in Hannover veranstaltet. Die Zahlen sind in der Tat beeindruckend: Die Zahl der Aussteller stieg im Vergleich zur letzten IAA Nutzfahrzeuge vor zwei Jahren um ein Drittel auf 2066 an. Diesmal zeigen Firmen aus 48 Ländern vom 25. September bis 2. Oktober auf insgesamt 275.000 Quadratmetern ihre Produkte darunter 258 Weltpremieren.
Ob die Aussteller am Ende zufrieden sein werden, ist noch unklar. Während der letzten Messe erreichten die Vertragsabschlüsse und Auftragserteilungen ein neues Rekordniveau, doch ob dies wiederum übertroffen werden kann, ist angesichts des abflauenden Booms der Branche umstritten. Immerhin: Im ersten Halbjahr 2008 wurden in Deutschland 170.000 Nutzfahrzeuge verkauft, das waren fünf Prozent mehr als im Vorjahr; wobei der Zuwachs getragen wurde von der ansteigenden Nachfrage für Transporter, während der Absatz schwerer Lkw leicht zurückging.
Zwei große Trends lassen sich bei den Nutzfahrzeugherstellern ausmachen. Zum einen steht, ähnlich wie im Pkw-Bereich, das Thema Spritsparen im Vordergrund - und damit einhergehend die Verringerung des CO2-Ausstoßes. Um das zu erreichen, setzen Hersteller wie Mercedes, MAN oder Volvo auf Hybridtechnik. Mercedes etwa stellt mit dem Axor Bluetec Hybrid erstmals einen Lkw für den mittleren Fernverkehr mit dieser Technik vor. Im nächsten Jahr sollen Prototypen des Lasters in den Kundenversuch gehen. Die Nutzfahrzeug-Sparte des Daimler-Konzerns zeigt in Hannover insgesamt sieben Lkw, Transporter und Busse mit Hybrid-Antriebstechnik.
Der zweite Trend lautet Sicherheit; auch in Lastkraftwagen sollen künftig elektronische Systeme den Unfallschutz erhöhen und die oft drastischen Folgen von Karambolagen verringern helfen. Der Bremsenhersteller Wabco zum Beispiel zeigt das erste autonome Notbremssystem für Lkw, das auch bei einer drohenden Kollision mit einem stehenden Fahrzeug etwa an einem Stauende die Reaktionszeit deutlich senkt. MAN wiederum hat einen Abbiegeassistenten entwickelt, der riskante Situationen beim Rechtsabbiegen eines Lkw entschärfen soll. Sensoren überwachen den vom Fahrer trotz inzwischen sechs vorgeschriebenen Spiegeln nur schwer einsehbaren Bereich neben und hinter dem Fahrzeug. Falls dort Bewegungen registriert werden, wird der Lkw-Lenker optisch und akustisch gewarnt. Ab dem nächsten Jahr soll das System in die Serien-Modelle von MAN eingebaut werden.
Müllauto mit Hybridantrieb, VW mit offener Ladefläche
Die größten Anstrengungen werden jedoch unternommen, um die Kosten zu drücken. Michelin etwa hat einen speziellen Lkw-Reifen entwickelt, der durch geringeren Rollwiderstand beim Spritsparen helfen soll. Renault wiederum zeigt einen Müllauto-Prototyp (der Aufbau stammt von der Firma Faun), der in den kommenden Wochen in Lyon seinen Dienst auf nehmen wird und dank Hybridantrieb sowohl den Kraftstoffverbrauch, als auch die CO2-Emissionen um rund ein Drittel minimiert. Der schwedische Hersteller Scania wiederum zeigt erstmals einen Lkw mit Ethanolmotor und die Marke Volvo stellt eine neu motorisierte Sattelzugmaschine mit extra-komfortablem "Globetrotter"-Fahrerhaus vor.
Große Bewegung und starker Wettbewerb herrscht vor allem im Transporter-Segment, wo Firmen wie Citroën und Ford, Peugeot und Fiat, Renault und Opel oder VW aktiv sind. Volkswagen zum Beispiel enthüllte bei einer Vorpremiere im Hangar 3 des Flughafens Hannover-Langenhagen den ersten Pickup diese Formats der Marke. Das momentan noch als Showcar adressierte Auto soll bereits im kommenden Jahr als Serienfahrzeug auf den Markt kommen. VW rechnet sich mit dem Ein-Tonner besonders in Australien, Südafrika und Südamerika gute Chancen aus. Gebaut wird das Auto übrigens im VW-Werk Pacheco in Argentienien.
jüp