Abgefahren: Mussolinis Möchtegern-Zeppelin - DER SPIEGEL
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Kunstprojekt Mussolini-Zeppelin: Aufgeblasen und vergoldet

Foto: Jon Sarriugarte

Abgefahren Mussolinis Möchtegern-Zeppelin

Mit viel Liebe und Geschick verwirklicht Jon Sarriugarte verrückte Mobilitätsträume. Sein jüngster Streich ist ein goldener Minizeppelin, für den sich der Bastler auch gleich eine Gaga-Hintergrundgeschichte ausgedacht hat: Das Fluggerät will er im Nachlass Mussolinis gefunden haben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wollte der italienische Diktator Benito Mussolini tatsächlich mit einem goldenen Zeppelin im Miniformat den Zweiten Weltkrieg zu seinen Gunsten entscheiden? Quatsch mit Tomatensoße. Das hindert den durchgeknallten Freak-Bastler Jon Sarriugarte freilich nicht daran, genau diese Geschichte zu verbreiten. Auf dem Hippie-Festival Burning Man im US-Staat Nevada fuhr er mit einem leuchtenden und erstaunlich flinken Gold-Zeppelin vor und verzauberte Jung und Alt.

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Die haarsträubende Geschichte, die Sarriugarte dazu erzählt, geht etwa so: Zu Schulzeiten sei er mit der Nichte von Erwin "Wüstenfuchs" Rommel befreundet gewesen. Die habe ihm eines Tages von Mussolinis topgeheimen Zeppelin-Plänen berichtet - eine historische Sensation. Sarriugarte forschte nach, bewarb sich "für ein (erdachtes) Burning-Man-Stipendium" und fand schließlich das Gerüst dieses "unglaublichen Luftschiffes" .

Es war natürlich viel kleiner als die Luftschiffe anderer luftfahrender Nationen "und ganz in Gold lackiert." Wie durch ein Wunder fand Sarriugarte kurz darauf sogar noch - was für eine Überraschung - die dazugehörige Mannschaftsuniform, welche "die der Deutschen zehnfach übertraf." Er entstaubte die Funde, feilte und schraubte und war fürderhin stolzer Besitzer eines goldenen Minizeppelins.

Wer wäre das nicht auch gerne?

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Sarriugarte hat Erfahrung mit solchem Blödsinn: Für Burning Man baute er bereits eine riesige, feuerspeiende Blechschnecke und nannte sie "Goldener Schnitt". Sich selbst bezeichnet er als Schmied und Feuerkünstler, der auch das Metallhandwerk und Bildhauerei beherrscht.  Eine hübsche Zeppelin-Karosse und eine bescheuerte Backgroundstory war also das geringste Problem - schwieriger war der Antrieb.

Sarriugarte dachte sofort an einen elektrischen Rollstuhl: "Das ist schon der dritte Rollstuhl, den ich verarbeitet habe." Freunde hatten ihm früher gebrauchte Modelle angeboten, jetzt fand er einen im Kleinanzeigenmarkt für unter 500 Dollar. "Vergewissere dich, das die Batterien in Ordnung sind," rät Sarriugarte auf der Anleitungsseite Instructables:  "Kauf einen für schwere Lasten. Die meisten tragen zwischen 150 bis 200 Kilogramm - inklusive des Eigengewichts. Angezogen wiege ich 100 Kilo, Batterien und Fahrzeug wiegen 37 - mein Zeppelin-Gerüst durfte deshalb höchstens 62,5 Kilogramm wiegen."

Die Skizze zum Gerüst malte Sarriugarte auf den Boden seiner Werkstatt, schweißte zusammen mit seinem 14-köpfigen Team Stahl, lötete so genannte Arduino-Schaltungen für die LED-Lightshow und wählte "Gold" als die zukünftige Farbe seines Luftschiffes aus, voller Angst "mit einem Yellow Submarine zu enden."

Aber alles ging gut - und nach nur zehn Minuten Testfahrt im Hof, legte der goldene Zeppelin einen Geschwindigkeitsrekord für Überlandfahrten in der Blackrock-Wüste hin, circa 10 km/h. Im nächsten Sommer will Jon Sarriugarte mit seinem Möchtegern-Mussolini-Ballon nach Deutschland reisen - der Heimat der erfolgreichen Zeppelin-Luftschiffe. Man darf gespannt sein, ob wenigstens das stimmt.