ADAC-Präsident Peter Meyer tritt zurück - DER SPIEGEL
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Skandalserie ADAC-Präsident Meyer tritt zurück

Der ADAC schlittert seit Wochen von einer Affäre zur nächsten, jetzt zieht Verbandspräsident Peter Meyer Konsequenzen: Der 64-Jährige legt mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder. Damit kam er seiner Entlassung zuvor.
Foto: Paul Zinken/ dpa
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München - Erst vor wenigen Tagen hatte ADAC-Präsident Peter Meyer eine "Zäsur" des Automobilclubs gefordert - jetzt lässt er seinen Worten Taten folgen: Meyer ist von seinem Posten zurückgetreten. Der 64-Jährige war seit 2001 Präsident des Autoclubs. Hintergrund des Rücktritts sind auch Manipulationen beim ADAC-Autopreis "Gelber Engel".

"Für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften, denen gemäß ADAC-Satzung die Besorgung der laufenden Geschäfte obliegt, möchte ich nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden", erläuterte er in der Mitteilung.

Zuvor hatte Meyer einen Rücktritt mehrfach ausgeschlossen. Er sehe seine Pflicht darin, weiter für die gute Sache zu kämpfen, hatte er noch am Wochenende der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt.

Meyer kam mit seinem Rücktritt nach Vereinsangaben einer Amtsenthebung zuvor. Angesichts der aktuellen Vertrauenskrise und der erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung habe das ADAC-Präsidium am Montagvormittag ein Suspendierungsverfahren gegen Meyer beschlossen, teilte der Verein mit.

Kommissarischer Nachfolger steht fest

Nach den Skandalen der letzten Wochen wurde in der Führungsspitze bezweifelt, dass ein Neuanfang mit Meyer möglich sei. Als Präsident war der 64-Jährige laut Satzung auch für die Kommunikation des Vereins nach außen zuständig. Meyer hatte aber stets bestritten, von den Manipulationen seines Kommunikationschefs bei dem ADAC-Autopreis "Gelber Engel" gewusst zu haben.

Das Amt des Präsidenten übernimmt kommissarisch Vizepräsident August Markl. Die Nachfolge soll bei der nächsten ordentlichen Hauptversammlung im Mai 2014 geregelt werden.

Im Laufe des Montags oder am Dienstag wurde der unabhängige Prüfbericht zu den Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" erwartet. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte hatte den Bericht am Montag intern dem ADAC vorgelegt. Dieser wird in der Geschäftsführung zur Zeit diskutiert.

"Angriffe und Diffamierungen"

Bislang steht fest, dass bei der Wahl des VW Golf zum Lieblingsauto der Deutschen die Zahlen nach oben frisiert wurden. Ex-ADAC-Präsident Peter Meyer hatte auch eine Manipulation bei der Rangfolge der Fahrzeuge für möglich gehalten.

Die Autokonzerne BMW, Daimler und VW wollen die Untersuchungsergebnisse abwarten, bevor sie über eine Rückgabe ihrer ADAC-Preise entscheiden. Eine kollektive Rückgabe wäre ein weiterer Imageschaden für Europas größten Autoclub mit fast 19 Millionen Mitgliedern.

Noch am Freitag hatte der ADAC einen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt, mit dem der Verein "erneuert" werden solle. In diesem Zusammenhang hieß es beim ADAC, dass es keinen Grund zu Zweifeln gebe, dass Meyer der Richtige für die Umsetzung der Reformen sei. Dabei stand der Präsident seit Wochen in der Kritik: Nachdem bekannt geworden war, dass beim Publikumspreis "Gelber Engel" die Stimmenzahlen gefälscht wurden, kamen fast täglich neue Ungereimtheiten ans Tageslicht. Meyer habe deswegen "in den letzten Tagen Angriffe und Diffamierungen" erfahren, heißt es in der Pressemitteilung. Das habe nicht nur ihn, "sondern auch seine Familie" belastet.

Zu dem Sündenregister des ADAC, das in den letzten Wochen stetig länger geworden ist, gehören unter anderem fragwürdige Flüge mit dem Rettungshubschraubern zu Veranstaltungen oder die Urlaubsreise in einem Ambulanz-Jet des ADAC nach Ägypten. Der Sohn einer ADAC-Managerin hatte seinen Flieger verpasst und flog daraufhin in dem Krankentransport mit. Die Managerin gab ihren Job auf.

cst/mhu/dpa