ADAC: Reformen geraten ins Stocken - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Schleppender Reformprozess Der ADAC lässt auf sich warten

Nach den vielen Skandalen im vergangenen Jahr beschloss der ADAC umfassende Reformen. Doch die Änderung der Vereinsstruktur ist ins Stocken geraten - das räumt selbst Präsident August Markl ein.
ADAC-Hauptversammlung im Dezember 2014: Umsetzung der Reform verzögert sich
ADAC-Hauptversammlung im Dezember 2014: Umsetzung der Reform verzögert sich

ADAC-Hauptversammlung im Dezember 2014: Umsetzung der Reform verzögert sich

Foto: Andreas Gebert/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

August Markl ist am vergangenen Nikolaustag reich beschenkt worden: Nicht nur, dass ihn die Delegierten der Regionalklubs des ADAC auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 6. Dezember 2014 zu ihrem neuen Präsidenten wählten; sie stimmten auch einstimmig dafür, eine umfassende Reform anzustoßen. Auf der Versammlung in der Klubzentrale in München herrschte Aufbruchstimmung - endlich mal wieder positive Nachrichten über Deutschlands größten Verein, nach all den Berichten über Lügen und Mauscheleien.

Doch kurz vor der anstehenden Hauptversammlung am kommenden Samstag ist die Euphorie verflogen.

Denn die grundlegenden Reformen werden sich verzögern. Frühestens 2016 werde es zu der geplanten Trennung des Vereins ADAC vom Wirtschaftsunternehmen ADAC kommen, sagte Vereinspräsident August Markl der "Süddeutschen Zeitung". Zur Begründung sagte er dem Blatt, es gebe noch zu viele Details zu klären. Markl bestritt, dass die Verzögerungen am Widerstand der ADAC-Regionalklubs oder an anderen Vorstandsmitgliedern liegen. Er könne "keinen Widerstand gegen unsere gemeinsame Reform erkennen, ganz im Gegenteil".

Dabei spuken im ADAC immer noch viele Geister der Vergangenheit. Ex-Präsident Peter Meyer, der sich nach dem Bekanntwerden der chaotischen Zustände im Klub noch lange an sein Amt klammerte, ist nach seinem Abgang an der Spitze des mitgliederstarken Regionalklubs Nordrhein gewechselt. Auf der Versammlung im Dezember 2014 wurde zwar verkündet, dass Meyer mit dem neuen Kurs einverstanden sei. Doch daran glauben längst nicht alle beim ADAC.

Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet , will der ADAC Nordrhein sich nicht an der sogenannten Compliance Service GmbH beteiligen, die den ADAC und seine 18 Regionalclubs kontrollieren soll. Der sächsische ADAC-Chef Nikolaus Köhler-Totzki moniere zudem, bei dem geplanten Konstrukt handele sich um einen "Überwachungs- und Eingriffsvertrag". "Wir müssen jetzt höllisch aufpassen, dass das Tischtuch zwischen uns nicht endgültig zerreißt", habe er an ADAC-Präsident August Markl geschrieben.

Nach den im Herbst beschlossenen Eckpunkten der ADAC-Reform soll eine noch zu gründende Aktiengesellschaft die Wirtschaftsaktivitäten des zum Milliardenkonzern gewachsenen Klubs führen. Wie Markl sagte, ist nach wie vor unklar, "welche Bereiche und Aktivitäten dem Verein und welche der AG zugeordnet sind".

Dem Bericht zufolge gibt es auch Probleme bei der Gründung der Stiftung, die laut dem Reformkonzept die AG kontrollieren und die Erträge der Wirtschaftsaktivitäten erhalten soll. Markl sagte, der Stiftungszweck müsse sehr genau definiert werden, da das bayerische Stiftungsrecht im Nachhinein keine Änderungen mehr erlaube.

In den vergangenen Monaten waren weitere Ungereimtheiten bei Regionalklubs bekannt geworden: Gegen Funktionäre des ADAC Nordbayern ermittelt etwa die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue. Einen anderen Vorwurf konnte der ADAC dagegen entkräften: Der Verdacht der Steuerhinterziehung habe sich nach Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft München nicht erhärtet.

cst/Afp