ADAC-Reifentest: Suche nach Erleuchtung - DER SPIEGEL
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ADAC-Reifentest Suche nach Erleuchtung

Aufatmen oder Zähneknirschen: Der ADAC präsentierte dieser Tage seinen aktuellen Sommerreifentest – und die Reifenbranche schaute gebannt, welche ihrer Modelle sich bewährt haben. 30 neue Reifen in zwei Größen hatten das Testprogramm durchlaufen. Dabei kamen einige ganz schön ins Schleudern.
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Getestet wurden schmale 14-Zoll-Reifen (175/65 R14) und breitere 15-Zoll-Reifen (195/65 R15). Dabei erreichten nur sechs Modelle die Bestnote "besonders empfehlenswert". Die Hälfte der Kandidaten zeigte in einigen Disziplinen geringe Schwächen und darf sich noch über das Urteil "empfehlenswert" freuen. Acht Reifen zitterten sich durch die Prüfungen und mussten mit einem "bedingt empfehlenswert" Vorlieb nehmen. Ein Testpneu allerdings, der Avon ZV 3, wurde mit einem "nicht empfehlenswert" nach Hause geschickt.

Die Dimension 175/65 R14 T ist für eine Spitzengeschwindigkeit von maximal 190 km/h ausgelegt und für Klein- und Kompaktwagen wie Ford Fiesta, Opel Corsa oder Renault Clio gedacht. Hier gab es drei Testsieger: Pirelli P 3000 E, Continental EcoContact 3 und Nokian NRT 2.

Sie alle bekamen ein "besonders empfehlenswert" ins Zeugnis geschrieben, was in der Reifenschule besagt, dass diese drei Absolventen besonders ausgewogen sind und in den wichtigsten Disziplinen Standvermögen beweisen: beim Handling auf trockenem wie auf nassem Asphalt. Diese Vielseitigkeit kann nicht jeder Reifen für sich Anspruch nehmen. Acht 14-Zoll-Reifen bekamen von den Automobilclub-Testern zwar ein "empfehlenswert", doch gelang ihnen der Spagat zwischen Trocken- und Nässeverhalten nicht wirklich.

Noch stärker trat dies Dilemma bei vier Reifen zu Tage: Michelin Energy E3A, Uniroyal rallye 680, Fulda Diadem Linero und Sava Effecta Plus müssen mit dem Etikett "bedingt empfehlenswert" leben. So konnte etwa das Michelin-Modell zwar die Bestnote auf trockener Fahrbahn erreichen, zeigte aber dafür deutliche Schwächen bei nasser Straße. Der Regenreifen von Uniroyal hingegen schaffte sogar eine knappe Eins auf nasser Straße, versagte aber bei den Verschleißwerten.

Bei der Größe 195/65 R 15 ist eine Spitzengeschwindigkeit von 210 km/h möglich, Reifen dieser Dimension sind für Autos wie den Audi A4, die Mercedes C-Klasse oder den VW Golf. Hier kommt der Testsieger aus Italien. Mit Bestnoten bei trockenen wie nassen Straßenverhältnissen übertrumpfte der "besonders empfehlenswerte" Pirelli P6 sogar die beiden anderen Abschlussbesten Bridgestone Turanza ER 300 und Maloya Futura Primato.

Sieben weitere Reifen dieser Dimension schafften mit "empfehlenswert" ein befriedigendes Rundum-Ergebnis, vier mussten sich mit einem "bedingt empfehlenswert" begnügen: Kléber Dynaxer HP 2, Uniroyal rallye 550, Dunlop SP Sport 01 und der Ganzjahresreifen Goodyear Eagle Vector EV-2. Sie alle zeigten deutliche Schwächen entweder bei Nässe, beim Verschleiß oder auf trockener Fahrbahn. Und einer fiel ganz durch die Prüfung: Der Avon ZV 3 erhielt das niederschmetternde Urteil "nicht empfehlenswert", weil er eklatante Schwächen bei Nässe zeigte - was verwundert, kommt das Modell doch aus England.

Gerade dieser Reifen hat das Ziel verfehlt, den geeigneten Mittelweg zu gehen. "Ein guter Reifen ist ein ausgewogener Reifen", sagt ADAC-Cheftester Michael Müller. Das betont der Testleiter von Europas anspruchsvollstem Reifenvergleich jedes Jahr aufs Neue. Denn der Versuch der Reifenhersteller, den in allen Disziplinen rundum perfekten Reifen zu schaffen, gleicht dem buddhistischen Sinnen nach ewiger Erleuchtung: Jedes neue Modell, selbst die Testsieger, schaffen nicht in jeder Disziplin ein gutes Ergebnis.

So müssen zum Beispiel Autofahrer, die sich für den 14-Zoll-Testsieger Pirelli P 3000E entschieden haben, trotz ausgewogen guter Nässe- und Trockeneigenschaften mit einem relativ lauten Außengeräusch leben. Denn in den Entwicklungslabors herrscht seit Anbeginn der modernen Pneu-Forschung der immer gleiche Zielkonflikt - ist ein Reifen in einer Disziplin besonders gut, geht das zu Lasten von anderen Charaktereigenschaften. Mal weniger, mal mehr gravierend, wie der Test zeigt.

Schuld ist die Physik des Profils und der Gummimischung. Ein Regenreifen etwa beweist dank eines drainagefähigen Profils mit vielen zur Seite führenden Einschnitten Standhaftigkeit bei Aquaplaning. Diese Profilgestaltung aber zieht zwangsläufig Schwächen im Handling auf trockenem Asphalt nach sich, das Auto fährt sich schwammiger.

Außerdem verdankt ein Regenreifen seinen Grip bei Nässe einer weicheren Gummimischung. Die allerdings zeigt sich anfälliger beim Verschleiß - mehr Gummi bleibt auf der Straße - und beim Außengeräusch, da der Reifen stärker auf der Fahrbahn klebt. Dies bewiesen beim ADAC-Test zum Beispiel die Modelle Barum Brillantis, Dunlop SP 30 und Hankook K701. Sie zeigten Spurtreue bei Nässe auf Kosten eines höheren Verschleißes.

Das Fazit lautet daher: Den rundum perfekten Pneu kann es nicht geben. Und weil die Hersteller das trotz markiger Marketingworte im Grund ihres Herzen wissen, zittern sie jedes Jahrs aufs neue, wenn die Zensuren der Automobilclubs anstehen.

Für Kunden allerdings müssen die Testergebnisse nicht bedeuten, immer nur den Klassenbesten ans Auto zu montieren. Beim Studium der aufgeschlüsselten Test-Tabellen (die genauen Ergebnisse sind unter www.adac.de  nachzulesen) kann jeder entscheiden, mit welcher individuellen Schwäche er leben kann. So bieten sich beim Kauf Alternativen, die oft preisgünstiger sind als der Testsieger. So kann der "besonders empfehlenswerte" Pirelli P 3000 E etwa je nach Händler bis zu 65 Euro kosten, der "empfehlenswerte" und etwas lautere Hankook K 701 aber ist, je nach Angebot, für etwa 40 bis 50 Euro zu haben.