ADAC-Test Erstmals deutscher Tunnel durchgefallen
München - Auch im sechsten Jahr des Tests, bei dem der Automobilclub ADAC in neun europäischen Ländern Straßentunnel unter die Lupe nimmt, hatten die Prüfer noch Mängel in der Sicherheit zu beanstanden. Nur neun von 27 geprüften Tunneln in erhielten die Bestnote "sehr gut", vier Tunnel fielen glatt durch, teilte der ADAC am Mittwoch in München mit. Ebenfalls neunmal wurde die Note "gut" vergeben. Fünf Kandidaten erwiesen sich als lediglich "ausreichend".
Testsieger ist der 2003 in Betrieb genommene Autobahntunnel Rennsteig an der A 71 bei Oberhof in Thüringen, die mit 7816 Metern längste Röhre Deutschlands schnitt bei allen acht getesteten Kategorien wie Beleuchtung, Energieversorgung, Flucht- und Rettungswege mit der Bestnote "sehr gut" ab. Auch der Zweitplatzierte liegt in Thüringen: der Berg-Bock-Tunnel. Mit dem Wattkopftunnel bei Ettlingen in Baden-Württemberg fiel erstmals bei der 1999 gestarteten Testreihe ein deutscher Tunnel durch. Der Roppener Tunnel in Österreich bekam das Urteil "bedenklich". Neben dem deutschen Wattkopftunnel bestanden auch die kroatischen Röhren Tuhobicund Ucka bei Rijeka mit der Note "mangelhaft" den Sicherheitstest nicht.
Der 1950 Meter lange und zwei Fahrspuren aufweisende Wattkopf-Straßentunnel war zwischen 1988 und 1994 neu errichtet worden. Er dient im Zuge der Landesstraße 562 der Entlastung der Ortsdurchfahrt der Großen Kreisstadt Ettlingen. Am 30. Juni 1994 war im noch nicht ganz fertig gestellten Tunnel ein Bagger in Brand geraten. Menschen waren damals nicht verletzt worden. Minuspunkte vergaben die ADAC-Tester für das Tunnelsystem, die Verkehrsüberwachung, die Flucht- und Rettungswege und die Lüftung im Brandfall. Als "ausreichend" wurden Kommunikation und Notfallmanagement bewertet. Gute Noten bekamen lediglich Brandschutz, Beleuchtung und Energieversorgung. Insgesamt waren fünf deutsche Tunnel überprüft worden: Der Wesertunnel bei Bremen ist "sehr gut", der Tunnel in Bonn Bad Godesberg "gut".
Wie in den letzten Jahren haben sich auch diesmal die italienischen Behörden und Tunnelbetreiber geweigert, Tests zuzulassen. Daher begrüße der ADAC die jetzt vom Europäischen Parlament verabschiedete EU-Richtlinie, die Mindestanforderungen an die Sicherheit in Straßentunneln stellt. Zum ersten Mal gibt es damit ein maßgebliches Regelwerk für die Sicherheit von mehr als 500 Röhrensystemen in Europa.
1999 kamen bei der Brandkatastrophe im Montblanc-Tunnel in Frankreich insgesamt 39 Menschen ums Leben, erinnerte ADAC-Präsident Peter Meyer bei der Vorstellung der Testergebnisse. Seitdem hätten viele Autofahrer ein ungutes Gefühl, wenn sie einen längeren Tunnel durchfahren müssten. Nicht nur die Tunnelbetreiber, sondern auch die Autofahrer müssten durch richtiges Verhalten zu mehr Sicherheit beitragen, sagt Meyer. Die Katastrophe im Montblanc-Tunnel war durch eine weggeworfene glühende Zigarettenkippe ausgelöst worden.