Airbags Brutale Beutel
Einem Airbag sollte man besser nicht zu nahe kommen. Die National Highway Traffic Safety Administration hat für die USA errechnet, dass auf 1000 Menschen, denen ein Airbag das Leben gerettet hat, 57 kommen, die ohne den vermeintlichen Schutz noch leben würden.
Zur Gefahr für Leib und Leben können Airbags werden, weil sie sich bei einem Unfall explosionsartig entfalten müssen. Kommt es zu einem Unfall, bei dem das Luftkissen ausgelöst wird, füllt sich der Airbag in Bruchteilen von Sekunden mit über 100 Litern Luft. Nur so können die Sollbruchstellen durchschlagen und Insassen rechtzeitig geschützt werden.
Für Passagiere, die angeschnallt sind und die richtige Distanz zum Airbag bewahren, bietet er dann wirksamen Schutz. Nicht jedoch für Insassen, die "out of position" sitzen und beim Auslösen dem Airbag zu nahe sind. Schwere Verletzungen bis hin zum Schädel- oder Genickbruch können die Folge sein. Besonders gefährdet sind Kleinkinder in so genannten Reboard-Kindersitzen, die entgegen der Fahrtrichtung montiert werden.
Um solche Unfälle künftig vermeiden zu können, arbeitet die Industrie mit Hochdruck an intelligenten Prallsäcken, die mit Sensoren das Fahrzeuginnere überwachen. Beim Systementwickler Siemens VDO Automotive tüftelt man etwa an einem Auslösemechanismus, der mit einer 3D-Kamera und Gewichtssensoren in der Sitzfläche erkennen soll, wer in welcher Position im Fahrzeug sitzt. Bei schweren und großen Menschen löst das System mit voller Wucht aus, bei leichteren Insassen dagegen weniger stark. Sitzt ein Fahrgast nicht in der richtigen Position, würde die Zündung des Airbags mehrfach verzögert, so dass er den Passagier nicht mehr gefährdet.
Die Auto-Hersteller sind unter Zugzwang. Denn 2004 wollen die USA die gesetzlichen Bestimmungen für Airbags deutlich verschärfen. Nach Einschätzung von Experten wird es bis dahin die individuell mehrstufig auslösenden Systeme wohl noch nicht auf dem Markt geben. Im ersten Schritt wird die Bord-Elektronik deshalb den Airbag komplett abschalten, wenn der Passagier im Gefahrenbereich sitzt.