Alfa Romeo Mito Ein Mini aus Italien
Noch nie in der 98-jährigen Unternehmensgeschichte hat Alfa ein derartiges Auto gebaut: der Mito, der ab dem 27. September bei den rund 180 deutschen Händlern stehen wird, ist der erste Kleinwagen der Marke zum Kompaktwagenpreis. Mit anderen Worten: Es handelt sich um ein so genanntes Lifestyle-Modell, das vor allem all jene Metropolen-Menschen ansprechen soll, die sich ein Auto als Mode-Accessoire zulegen. Die BMW-Marke Mini lebt prächtig von dieser Klientel. Alfa Romeo will diese Kunden nun mit italienischem Chic umgarnen.
Immer wieder lenken die Verantwortlichen bei Alfa die Aufmerksamkeit auf das Design des 4,06 Meter langen Autos. Der Mito mixt vertraute Kleinwagen-Merkmale wie Kulleraugen-Scheinwerfer oder Babypopo-Heck mit rassigen Attributen wie dem Alfa-typischen "Scudetto", dem Kühlergrill in Schildform, oder der kecken Lässigkeit der Karosserieflanken. Sodann wird die Sportlichkeit des Wagens betont.
Keiner soll denken, man habe es hier mit einem weiteren harmlosen Stadtauto zu tun. Es gibt einen so genannten DNA-Schalter (Dynamic, Normal, All Weather), mit dem sich die Charakteristik des Mito verändern lässt und der "praktisch eine Adaption des Manettino-Hebelchens aus dem Ferrari F 430 ist", wie Produktmanager Oliver Sils erklärt.
Christopher Nicoll, der Vorstandschef von Alfa Romeo Deutschland, sagt, der Mito sei "ein extrem wichtiges Auto für die Marke". Gerade dieses Modell solle Alfa zurück auf die Erfolgsspur bringen. Im nächsten Jahr plant Nicoll mit 14.000 Alfa-Neuzulassungen in Deutschland zirka die Hälfte davon sollen auf den Mito entfallen. Das ist zwar noch weit entfernt von ehemals 30.000 Autos, die Alfa in den besten Zeiten pro Jahr in Deutschland verkaufte, aber Nicoll ist zuversichtlich. "Der Mito passt genau in diese wirtschaftlich angespannte Zeit."
Neues Werbekonzept im Internet
Um die Stimmung etwas aufzuhellen, hat sich Alfa ein besonderes Werbekonzept für den Wagen ausgedacht. Weil vornehmlich eine Zielgruppe angesprochen werden soll, "die einerseits Internet-affin ist, aber andererseits kaum noch liest", wie Produktmanager Sils erläutert, wurde ein Web-Auftritt kreiert , der zum Entwerfen eines eigenen, kleinen Alfa-Mito-Werbeclips animieren soll. Außerdem wird das Auto im Kino und auf speziellen Partys beworben, die Alfa in Kooperation mit der Stadtillustrierten "Prinz" veranstaltet.
Mit Hilfe dieser Maßnahmen hofft das Unternehmen, auf eine Eroberungsrate von mindestens 60 Prozent zu kommen. Mit anderen Worten: Von den in Deutschland im nächsten Jahr rund 7000 erwarteten Alfa-Mito-Käufern fahren laut dieser Planung etwa 4200 Menschen derzeit noch mit einem Modell einer anderen Marke herum. Vielleicht fahren sie auch noch gar kein Auto. Dann sollten sie schon einmal mit dem Sparen anfangen: Der günstigste Mito kostet 14.700 Euro, den Löwenanteil erwartet sich Alfa jedoch vom vorläufigen Topmodell mit 155-PS-Motor zum Preis von mindestens 17.950 Euro.
Knackiges Fahrgefühl, miserable Rundumsicht
Ebenso viel kostet der Mito in der Dieselversion, der von einem 1,6-Liter-Turbomotor mit 120 PS angetrieben wird und den SPIEGEL ONLINE auf einer kurzen Testfahrt kennenlernte. Das Auto überrascht gleich mehrfach: mit einem originell gestalteten Armaturenbrett, mit einer guten Sitzposition, mit einem knackigen Fahrgefühl und mit einer miserablen Rundumsicht. Auch der Kofferraum ist eher etwas für Gepäckverweigerer, denn er ist erstens recht klein (270 Liter) und zweitens ist die Ladekante auffallend hoch. Andererseits: Der Mito will nicht praktisch oder nützlich sein, sondern hip, cool und sportlich.
Gut ausgestattet ist er übrigens auch. Ab Werk rüstet Alfa Romeo sein jüngstes Modell mit der schon erwähnten Fahrdynamikregelung DNA aus, die je nach Stellung des Kippschalters auf der Mittelkonsole die Motorsteuerung, die Lenkung und das Fahrwerk rasanter oder gediegener abstimmt. Außerdem gibt es für jede Mito-Variante das elektronische Stabilitätsprogramm ESP (das bei Alfa VDC heißt), sieben Airbags (wie im neuen VW Golf), sowie eine Musikanlange mit CD-MP3-Spieler. Dies in Rechnung gestellt, relativiert sich der Preis: Jedenfalls ist der Alfa Mito billiger zu haben als ein Mini.
Wahl aus 14 unterschiedlichen Außenspiegelgehäusen
Damit niemand die Positionierung in der Lifestyle-Ecke als Marketing-Gerede abtun kann, bemüht sich Alfa beim Mito um größtmögliche Individualisierungsmöglichkeiten für die Kundschaft. 10 Lackfarben, 4 Scheinwerferrahmen, 14 Außenspiegelkappen, 10 Sitzbezüge, 5 Armaturentafeln sowie diverse Klebestreifen und Leichtmetallräder stehen zur Wahl, damit Mito-Interessenten sich ein Auto zurechtbasteln können, das ihrem Geschmack entspricht.
Die Zahl der Alternativen wird noch zunehmen, wenn ab Mitte nächsten Jahres auch ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe für den Mito erhältlich ist. Parallel dazu soll auch eine extreme GTA-Version mit 230 PS an den Start rollen. Und als Gegenpol für die wachsende Gruppe der urbanen Hipster mit Öko-Einschlag wird gleichzeitig eine Start-Stopp-Automatik für den Mito entwickelt. Spritsparen kann ja gar nicht lifestylig genug sein.