AMI Leipzig: Asphaltblasen und Entenangeln - DER SPIEGEL
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AMI Leipzig Asphaltblasen und Entenangeln

Kein Gedränge, keine Showeinlagen, keine Weltpremieren - die AMI in Leipzig, die morgen für das Publikum eröffnet wird, ist trotz ihrer unspektakulären Ausstrahlung die wichtigste deutsche Automesse in diesem Jahr. Vor allem wegen der Botschaft, die von hier ausgeht.
Von Frank Wald und Jürgen Pander
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Leipzig ist der Frühling ausgebrochen. In den Grünanlagen rund ums neue Messegelände sprießt und knospet es, in den Hallen dominieren Erleichterung und Optimismus. Die Autoindustrie scheint am Ende ihrer Talfahrt angekommen, die Signale zeigen schon wieder leicht bergauf. "Der Turnaround ist nicht mehr zu verhindern", übt sich Opel-Vertriebsvorstand Uhland Burkhard in fröhlicher Ironie. Dann drückt er es zur Sicherheit noch einmal positiv aus: "In diesem Jahr packen wir die Trendwende, Opel wird 60.000 bis 80.000 Autos mehr verkaufen als noch 2003 und einen Marktanteil von elf Prozent in Deutschland erreichen."

Auch andere Hersteller verkünden Erfolge. Toyota etwa hat im ersten Quartal einen neuen Zulassungsrekord in Deutschland aufgestellt, bei Audi, BMW und den meisten anderen sind die Zahlen ähnlich positiv. Volker Lange, Chef des Verbands der Importeure (VDIK), setzt alle Hoffnungen auf die erfreulichen Auftragseingänge in diesen Wochen. "Die Zulassungszahlen im März waren wie der Vorbote eines Autofrühlings. Was jetzt folgen muss, ist ein Autosommer."

Es sind solche Aussagen, die die AMI in diesem Jahr zu einer besonderen Messe machen. Deshalb, so Lange, laste "auf den Schultern der Messe eine große Bürde". Was den Auftritt der Hersteller, die Inszenierungen und die Standbauten betrifft, spielt die Autoschau in Sachsen mindestens eine Liga unter den Branchentreffs in Detroit, Genf oder Frankfurt. Statt Tanzeinlagen zu Technobeats gibt's beispielsweise Entenangeln für Kinder bei Suzuki. Aber auch dies hat seinen Reiz, denn kaum anderswo ist das Neuheitenangebot so komplett und zugleich so entspannt zu begutachten wie hier. Nichts lenkt vom Eigentlichen ab, den Autos.

Die AMI ist in erster Linie eine Verkaufsmesse, auch wenn sie langfristig als "Autosalon für Mitteleuropa" positioniert werden soll, wie Messechef Wolfgang Marzin sagt. Das gelte vor allem vor dem Hintergrund der ab Mai in Kraft tretenden Osterweiterung der EU. "Wir werden in Zukunft häufiger slawische Sprachen in den Messehallen hören."

Die Industrie erkennt dies offenbar an. In diesem Jahr wurde nicht nur die Ausstellungsfläche vergrößert, sondern es nehmen auch erstmals Marken wie Ferrari, Cadillac und Chevrolet teil. Insgesamt sind es 440 Aussteller, erwartet werden gut 260.000 Besucher. Neben den Neuheiten wird viel Service geboten. So stellen zum Beispiel 23 Hersteller insgesamt 120 Pkw-Modelle für Probefahrten zur Verfügung. Dazu gibt es Sonderausstellungen wie die Schau "Knutschkugeln und Asphaltblasen", bei der 40 Kleinstwagen der fünziger Jahre gezeigt werden sowie eine Veranstaltung unter dem Titel "Tradition und Innovation - 100 Jahre Automobilbau in Sachsen".

Zur offiziellen Eröffnung morgen Vormittag haben sich Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe, Sachsens Regierungschef Georg Milbradt und Mercedes-McLaren Formel-1-Fahrer David Coulthard angesagt. Eine Weltpremiere gibt es übrigens doch auf der AMI: Sie steht in Halle 5 auf dem Stand von Audi: ein Highend-Mountainbike.