Audi A4 Auf Linie gebracht
Immer wieder mal liest man einen Abgesang auf die gute, alte Mittelklasse-Limousine. Die stehe vor dem Aussterben, heißt es dann. Variablere und vor allem modernere Karosserieformen wie Kompaktvans oder Kompakt-SUVs gehöre die Zukunft in dieser Klasse. Wie schön, dass Audi sich nicht irre machen lässt. Stattdessen stellen die Ingolstädter jetzt einen komplett erneuerten A4 hin - also eine rundum typische Mittelklasselimousine, der man spontan eine lange Zukunft wünscht.
Den Audi-Designern um ihren Chef und Guru Walter de'Silva ist geglückt, wovon mancher andere Autokreative träumt: eine durchweg klassische Autoform modern und frisch zu interpretieren, dabei aber vollständig auf Styling-Gags oder andere Auffälligkeiten zu verzichten. Der Wagen sieht gut aus. Wenige Linien vermitteln den Eindruck, dass hier ein wirklich neues Auto vorfährt: der große Kühlergrill, der Schwung an der Unterkante der Scheinwerfer, die wohlproportionierte Seitenansicht, die stimmige Dachlinie, das eindrucksvolle Heck mit den gekonnt geformten Rücklichtern. Für sich genommen sind das alles keine Design-Offenbarungen, aber insgesamt entsteht so ein wohl komponiertes Outfit, das auch eine Mittelklasse-Limousine tragen kann, ohne albern oder anbiedernd zu wirken.
Unter den Äußerlichkeiten setzten die Audi-Ingenieure ihre Feinarbeit fort. Zum Beispiel am Fahrwerk des Fronttrieblers, für das ein prima Kompromiss zwischen sportlicher Straffheit und lässigem Komfort gefunden wurde. Auch bei der Ausstattung versucht Audi, beiden Extremen gerecht zu werden: einerseits ein günstiges Einstiegsmodell mit vernünftiger, aber keineswegs üppiger Grundbestückung anzubieten und andererseits auch gehobene Dienstwagenfahreransprüche zu befriedigen, indem Luxusextras wie Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, Allradantrieb, Nussbaum- oder Birke-Holzeinlagen im Innenraum, Lederausstattung oder diverse Navigations- und Musiksysteme vorrätig gehalten werden.
Im November kommt der neue A4 zu den Händlern. Zunächst als Limousine, ein paar Wochen darauf als Avant. Während der Kofferraum des Stufenheckmodells maximal 460 Liter fasst, passen in den Kombi bis zu 1184 Liter Gepäckvolumen hinein (bei umgeklappter Rücksitzbank). Die Preise für die neuen Modelle will Audi erst beim Autosalon in Paris bekannt geben.
Fest steht dagegen schon, dass neun verschiedene Motoren zur Wahl stehen werden. Fünf Benziner und vier Diesel mit einem Leistungsspektrum von 102 bis 255 PS (75 bis 188 kW). Drei neue Aggregate sind darunter: ein 3,2-Liter-V6-FSI-Motor mit 255 PS (188 kW) sowie der auch im VW Golf GTI zum Einsatz kommende 2-Liter-Turbo-Vierzylinder mit 200 PS (147 kW). Dazu kommt noch der neue Top-Diesel, der bereits im A8 und A6 zum Einsatz kommt: ein 3-Liter-V6-TDI mit 204 PS (150 kW) und einem maximalen Drehmoment von 450 Newtonmetern.
Es gibt sogar noch eine zehnte Variante, und die steckt im Sportmodell Audi S4. Unter dessen Haube wummert ein 4,2-Liter-V8-Aggregat mit 344 PS (253 Newtonmeter) und 410 Newtonmeter Drehmoment. In 5,6 Sekunden, so teilt Audi mit, sprintet der Wagen von 0 auf Tempo 100. Damit bewegt sich der S4 längst auf dem Niveau von Sportwagen und prescht aus dem Kreis klassischer Mittelklasse-Limousinen heraus. Vermutlich interessiert sich nur eine Minderheit für Autos solchen Kalibers, aber sie sind Gold wert, wenn Hersteller ein weiteres Mosaiksteinchen beim Aufbau eines sportlichen Images benötigen. Und ein fesches Auto ist der S4 - ebenso wie seine etwas schwächeren Kumpane - allemal.