Audi Allroad Concept: Helferlein halten Kurs - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Audi Allroad Concept Helferlein halten Kurs

Auf den ersten Blick wirkt der Allroad Concept, den Audi auf der Detroit Motor Show zeigt, vertraut: die bekannten Proportionen des neuen A6 Avant, etwas höher gebockt und mit wuchtigem Chromgrill auf der Nase. Die Neuheiten stecken unterm Blech.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

So sorgt beispielsweise ein neu entwickelter V8-TDI mit vier Liter Hubraum für sportlichen Vortrieb auf und abseits befestigter Straßen. Der laut Audi "weltweit leistungsstärkste und modernste Achtzylinder-Diesel" entwickelt 286 PS (210 kW) und 650 Newtonmeter Drehmoment und soll den mit einem Sechs-Stufen-Automatikgetriebe ausgestatteten Wagen in 6,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Das Spitzentempo wird wie gehabt bei 250 km/h elektronisch begrenzt. Dank eines Partikelfilters erfüllt er als erster Achtzylinder-TDI die EU4-Abgasnorm.

In Sachen Fahrdynamik und -komfort setzt Audi auf den permanenten Allradantrieb quattro, der gerade sein 25-jähriges Jubiläum feiert, sowie auf die aus A6 und A8 bekannte adaptive Air Suspension, eine Kombination aus Luftfederung und elektronisch geregeltem Dämpfersystem. Beim Allroad Concept ermöglicht sie, die Bodenfreiheit manuell in vier Stufen zwischen 160 und 210 Millimeter zu variieren.

Darüber hinaus soll der "Technologieträger" aber vor allem neue Fahrassistenzsysteme demonstrieren, "die bereits in wenigen Jahren Einzug in die Serie halten werden". Als "absolute Weltneuheit" feiern die Ingolstädter ihr "road vision", eine Sensorik zur Erkennung von Fahrbahnart und -beschaffenheit. Das System arbeitet mit kombinierter Laser- und Infrarot-Spektroskopie und soll in der Lage sein, nicht nur zwischen nasser, trockener oder vereister Bahn zu unterscheiden, sondern auch Fahrbahnen mit spezifischem Grip wie etwa Beton, verschiedene Asphaltarten oder Schotter zu erkennen. Diese Infos werden nicht nur im Kombiinstrument angezeigt, sondern auch an die Abstandsregelung Adaptive Cruise Control und ans ESP geliefert, damit noch vor Eintreten einer kritischen Situation Antriebs- oder Bremsleistung entsprechend verteilt werden können.

Nicht mehr ganz so neu ist der Spurhalteassistent "lane assist", wie es Citroën bereits in ähnlicher Form für die Modelle C4 und C5 vorgestellt hat. Das System scannt mit Hilfe von Videokameras im oberen Frontscheibenrahmen die seitlichen Fahrbahnbegrenzungen und warnt den Fahrer bei unabsichtlichem Verlassen der Fahrspur. Allerdings nicht durch Rütteln im Fahrersitz, wie bei Citroën, sondern per Vibration im Lenkrad. Auch das Audi-System deaktiviert sich beim bewussten Fahrspurwechsel automatisch durch Blinkerbetätigung oder ist manuell auszuschalten. Einziger Unterschied: Unterhalb von 60 km/h, in engen, kurvigen Straßen, Autobahn-Baustellen oder fehlender Markierung schaltet sich der Spurhalte-Assistent selbsttätig ab.

Das dritte elektronische Helferlein "side assist" wiederum funktioniert ähnlich wie das BLIS (Blind Spot Information System), das Volvo vor rund einem halben Jahr präsentierte. Beim Audi Allroad Concept erfassen Radarsensoren den Bereich neben und hinter dem Auto und machen den Fahrer per dauerhaft leuchtender Warnlampe an den Außenspiegeln auf näher kommende Fahrzeuge aufmerksam. Setzt der Fahrer zusätzlich den Blinker, löst das System ein kurzzeitiges helles Blinken aus. Das System kann mit einem Taster ein- und ausgeschaltet werden und ist ab einer Geschwindigkeit von 60 km/h aktiv.

Wann und wo die neuen Systeme in Serie gehen, ist noch nicht entschieden. Wie üblich will Audi mit der Allroad-Studie zunächst nur die Publikumsreaktion testen. Als sicher gilt jedoch, dass es auch vom neuen A6 Avant eine höher gelegte Version mit Allradantrieb geben soll.