Audi Cross Cabriolet Quattro: Striptease für die Show - DER SPIEGEL
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Audi Cross Cabriolet Quattro Striptease für die Show

Offene Geländewagen waren bislang meist Förstern und Feldwebeln vorbehalten. Jetzt zeigt Audi auf der Los Angeles Autoshow ein solches Modell als Weltpremiere. Der schrille Wagen wird zwar nie in Serie gehen – aber die Show ist gut und zeigt, wie der Q5 aussehen wird.
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Audi fährt von einem Rekord zum nächsten. Zum elften Mal in Folge will Vorstandschef Rupert Stadler in diesem Jahr mehr Autos verkaufen als im Jahr davor. Und ein Ende des Wachstums sei nicht abzusehen, sagen die Bayern. Schließlich haben die Ingolstädter so viele neue Modelle in der Planung, dass es in der profitträchtigen Premiumwelt bald kaum eine Nische ohne Audi geben wird. Vom A1 bis zum Roadster R8 spannt sich der bunte Bogen der Audi-Zukunft, in dem manch ein Entwickler ganz offensichtlich den Überblick zu verlieren droht.

Dieser Eindruck zumindest könnte entstehen, wenn die Bayern jetzt in Los Angeles ihr Cross Cabrio Quattro enthüllen. Doch so ungewöhnlich das Konzept auf den ersten Blick auch sein mag, es gibt einen Hintersinn. Statt das Publikum bei der letzten großen Messe des Jahres lediglich auf eine der wichtigen Neuheiten für 2008 einzustimmen, zeigen die Bayern mit der Studie gleich zwei Autos in einem: Wer vor dem inneren Auge das Verdeck mit einem festen Dach tauscht und sich zwei weitere Türen dazu denkt, erhält bereits ein ziemlich konkretes Bild des kommenden Q5. Und wer den Wagen gedanklich kürzt und die Bodenfreiheit absenkt, der sieht vor seinem geistigen Auge bereits das Cabrio des A3 mit konventionellem Stoffverdeck und klassischem Alu-Rahmen um die Windschutzscheibe, mit dem Audi den Novitätenreigen 2008 nach aktuellem Planungsstand beginnen wird.

Anders als Jeep Wrangler, Mercedes G-Modell oder Land Rover Defender ist der jüngste Entwurf der Audi-Designer kein grobschlächtiger Geländegänger für Wildhüter, Jagdpächter oder Landarbeiter, sondern ein Gleiter für den luftigen Bummel über den Boulevard. Elegant gezeichnet und üppig dimensioniert, möchte man sich den kupferfarben schimmernden Kreuzer weniger im Böhmerwald als in Beverly Hills vorstellen. Und auch wenn die Bodenfreiheit, die rustikale Bauchbinde und der große Unterfahrschutz eine gewisse Geländegängigkeit suggerieren, ist der Wagen mit dem wuchtigen Kühlergrill, den trapezförmigen Scheinwerfern, dem scheinbar unverzichtbaren LED-Tagfahrlicht und den 21-Zoll-Walzen am Strand sicher besser aufgehoben als in der Sahara.

Sprechanlage für den Dialog mit den Fondpassagieren

Dazu passt auch das vornehme Interieur des Viersitzers, das mit weißem Leder und dunklem Holz Assoziationen an eine Segelyacht weckt. Allerdings navigieren die Bayern nicht mit Kompass und Sextant, sondern mit Hightech: Eine permanente Internetverbindung holt Kartendaten von Google Earth ins Auto und überträgt dazu gleich noch Webradio. Damit die Zieleingabe leichter fällt, erkennt ein Touchpad hinter dem eigenwilligen Schaltknauf die Handschrift. Und damit der Dialog mit der Fondinsassen auch bei höherem Tempo nicht vom Winde verweht wird, haben die Ingenieure eine Wechselsprechanlage eingebaut. Sie eliminiert Störgeräusche und überträgt die Unterhaltung über das Soundsystem von Bang & Olufsen. Ebenfalls für einen erhöhten Genussfaktor sprechen die Heizdüsen in den Kopfstützen, die es bislang nur beim Mercedes SLK in Serie gibt.

Dem Namen nach zwar ein Verwandter des Cross Coupé Quattro aus diesem Frühjahr, ist der Vorbote des Q5 eine Klasse größer: Die Länge misst 4,62 und der Radstand 2,81 Meter. Außerdem ist er mit 1,91 Metern fast zehn Zentimeter breiter als sein kleiner Bruder, aus dem einmal der Q3 werden dürfte. Während dieser auf der Plattform des A3 aufgebaut wurde, nutzen die Ingenieure diesmal den Baukasten der Modelle A4 und A5. Aus ihm übernehmen sie neben dem obligatorischen Allradantrieb vor allem den Motor, der für sein Debüt in Kalifornien allerdings zum Saubermann wurde: So haben die Bayern den drei Liter großen V6-Diesel mit 240 PS und 500 Nm mit dem Ultra-low-Emission-System kombiniert, das die Abgase mithilfe des Additivs AdBlue unter die Grenzwerte aller 50 US-Staaten drückt.

Sauberer Dieselmotor mit spezieller Abgasreinigung

Obwohl sauber und mit 7,3 Litern für ein SUV hinreichend sparsam, wird der neue V6 keinesfalls eine Spaßbremse sein: Immerhin stehen im Datenblatt ein Sprintwert von 7,2 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h. Garniert wird die Technik neben den Keramikbremsen vor allem mit einer elektrischen Niveauregulierung mit vier Zentimetern Spielraum in der Bodenfreiheit, variablen Stoßdämpfern und dem Audi Drive Select, das auf Knopfdruck den Charakter des Wagens ändern kann: So wird das Cross Cabrio mal sportlicher, mal komfortabeler und mal besonders sparsam.

Noch ist die Studie das stilistische Destillat zweier Serienautos, das als offener Geländewagen wohl vorerst keinen Chance hat. Doch so ganz ausschließen sollte man das nicht: Denn nachdem Mercedes bei der R-Klasse ein SUV mit einem Van gekreuzt hat und BMW den X6 als neuartiges Offroad-Coupé feiert, ist der erste Striptease eines Geländewagens vielleicht wirklich nur noch eine Frage der Zeit.