Audi-Design: Styling aus dem Hinterhof - DER SPIEGEL
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Audi-Design Styling aus dem Hinterhof

Star-Designer Walter de’ Silva begnügt sich nicht damit, Audi ein neues Gesicht zu geben. In München-Schwabing hat er nun eine Stil-Schmiede für die gesamte Markengruppe eröffnet. Hier werden Design-Ideen für Audi, Seat und Lamborghini entwickelt – vom Konzeptauto bis zur Krawattennadel.
Von Martin Brinkmann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer per Flugzeug nach München reist, kommt an Audi nicht vorbei. Ob auf Podesten im Flughafen oder in riesigen Vitrinen draußen davor, Ingolstädter Limousinen finden sich hier in allen Varianten. Gut versteckt dagegen hat sich "Konzept Design München", die neue Kreativabteilung der Markengruppe Audi. Eine unauffällige Toreinfahrt nahe der Leopoldstraße führt auf den Hinterhof, in dem an der Zukunft von Audi, Seat und Lamborghini gebastelt wird.

Schon früher wurde in diesem Hintergebäude an drei Automarken gearbeitet: BMW, Renault und Maico reparierte die "Kurfürstengarage Schwabing", die hier ansässig war. Das Namensschild der ehemaligen Werkstatt hängt heute in der Modellierhalle des Designzentrums - das einzige nostalgische Detail in dem 800 Quadratmeter großen Gebäude, das bereits seit 20 Jahren von Audi genutzt wird. In dieser Außenstelle des Ingolstädter Audi Design entstanden unter anderem die Studie Avus (1991) und das Konzept für den A2, den etwas glücklosen Winzling in der Audi-Modellpalette.

Mit der Vergangenheit hat Walter Maria de' Silva aufgeräumt. Der 52-jährige Italiener, der 13 Jahre lang das Design von Alfa Romeo bestimmte und nach drei Seat-Jahren 2002 zum Chef-Designer der Markengruppe Audi aufstieg, hat Mauern durch lichte Glasbaustein-Wände ersetzen lassen und ein insgesamt freundliches, großzügiges Ambiente geschaffen - soweit die Hinterhofenge es zulässt. Renovieren will de' Silva aber weit mehr: Die Mauern zwischen den Marken Audi, Seat und Lamborghini sollen weg. Zumindest in den Köpfen der rund 20 Designer und 15 Modelleure, die hier arbeiten. "Ich mag keine vertikalen Strukturen", erklärt de' Silva. Hier werde eine Ebene geschaffen, auf der in echtem Teamwork Impulse für alle drei Marken entwickelt würden. Das Schwabinger Design-Studio habe eine "Vordenkerrolle" für die gesamte Markengruppe. "Kunden sind die Design-Abteilungen der einzelnen Marken, die die hier entwickelten Visionen in serientaugliche Fahrzeugmodelle umsetzen."

In Serie geht nun auch das neue Audi-Gesicht, das de' Silva in diesem Jahr schon mit beiden Studien Nuvolari quattro (Genfer Automobilsalon) und Audi Le Mans quattro (IAA) angedeutet hatte. Zentrales Element: der mächtige, bis unten in die Bugschürze reichende Kühlergrill, der an die glorreichen Auto-Union-Rennwagen der dreißiger Jahre erinnern soll. Das erste Serienmodell, das dieses Gesicht zeigen wird, ist das im Februar auf den Markt kommende neue Audi-Flaggschiff A8 L 6.0 Quattro mit zwölf Zylindern und 450 PS (331 kW). Audi-Pressesprecher Peter Oberndorfer: "Diese neue Formensprache wird 2004 schnell weiter umgesetzt, zunächst beim A6, dann beim fünftürigen A3."

Die Auffrischung des Designs sei aber nicht alles, sagt de' Silva. "Wir brauchen auch eine ständige Anpassung des kreativen Prozesses." Deshalb sei es so wichtig, dass das neue Designstudio sich mitten im prallen Großstadtleben befinde. "Hier in Schwabing, zwischen Wohnhäusern, Boutiquen und Restaurants, können wir in einer urbanen Umgebung Trends und Lifestyle erleben. Konzeptdesign braucht diese Freiheit." Sein Münchner Studioleiter Klemens Rossnagel verweist noch auf die höchste Cabrio-Dichte in Deutschland und formuliert euphorisch: "München ist unsere Muse."

Musenküsse haben die jungen Designer allerdings auch nötig. Denn sie sind nicht nur der Motor fürs Auto-Design (in der Audi-Sprache: für die Bereiche Automotive Concept und Concept Innovation), sondern gestalten auch die Accessoires für Audi, Seat und Lamborghini: von Krawattennadeln und Schlüsselanhängern bis zu Uhren und Fahrrädern.

Zur Eröffnung seiner neuen Kreativschmiede erteilte de' Silva auch gleich dem kleinen Journalistenkreis Anschauungsunterricht in der Münchner Freiheit gestalterischen Denkens. In Gruppenarbeit sollte unter fachkundiger Moderation zunächst eine Gürtelschnalle entworfen werden, was - auch auf Grund genereller Zweifel - nicht recht fruchtete. Konstruktiver war da schon der Versuch, einen Seat-Roadster für das Jahr 2009 zu entwerfen. Nach Berücksichtigung aller in den Raum geworfenen Ideen war am Schluss ein weich gerundetes Gefährt mit Glubschaugen und Schwiegermuttersitz an die Wand gezeichnet, das verdächtig dem berühmten Donald-Duck-Cabrio 313 ähnelte. Der italienische Designmeister begutachtete es - und schrieb "o.k." drunter. Wir sind gespannt auf das neue Gesicht von Seat.