Audi-Feeling: Anfassen erlaubt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Audi-Feeling Anfassen erlaubt

Gerhard Mauter ist ein Ingenieur fürs Anfassen. Er leitet das "Team für Betätigungshaptik" bei Audi in Ingolstadt, der Einfachheit halber nur Haptik-Team genannt. Haptik ist die Lehre vom Tastsinn. Dabei geht es nicht nur darum, dass sich ein Audi gut anfühlen muss.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es geht um Ergonomie und Bedienlogik, um Leichtgängigkeit und Anmutung, ums Tasten, Ziehen, Drücken, Schieben, Drehen, Fühlen und Berühren im Auto. "Für Haptik ist ein bestimmtes Maß an Sensibilität erforderlich", sagt Mauter.

Das Haptik-Team beurteilt während des Entwicklungsprozesses alle Bedienelemente außerhalb und innerhalb des Fahrzeugs. Das reicht von den Türgriffen außen über das Zündschloss, die Schaltung oder den Lenkstockhebel bis hin zu den elektrischen Schaltern.

Die Tast-Experten organisieren pro Jahr mehrere Veranstaltungen, um ein Feedback der Kunden zu erhalten. So werden beispielsweise umfangreiche Fragebögen an Audi Werkangehörige verteilt, wenn sie ihren Neuwagen in Empfang nehmen. Darüber hinaus veranstaltet das Haptik-Team so genannte Benchmark-Tests, bei denen Audi Produkte mit denen der Wettbewerber verglichen werden. Dazu kommen Vergleichstests von neutralen Instituten mit externen Probanden, deren Auswertungen ebenfalls in die Entwicklungen mit einfließen.

Mittlerweile haben Audis Haptik-Experten einen Kriterienkatalog erarbeitet, an das sich nicht nur die eigenen Entwickler, sondern auch die der Zulieferer zu halten haben. Darin werden Audi Bedienteile nach Leichtgängigkeit, mittlere Betätigungswege, definierte Endanschläge, exakte Führungen, Geräuscharmut und die eindeutige Rückmeldung am Schaltpunkt - taktil und akustisch - bemessen.

"Der Kunde will eine klare Rückmeldung bei Einleitung der Funktion haben. Bei einer Taste etwa, die er drückt, ist die Form des Kraftanstieges wichtig. Zur haptischen Rückmeldung gehört auch ein akustisches Feedback, beispielsweise durch ein deutlich vernehmbares Klicken. Die genau richtig dosierte Kombination von beidem gibt dem Kunden die Gewissheit, dass die Funktion auch tatsächlich ausgelöst wurde", so Teammitglied Torsten Kolkhorst, tätig in der Lenkrad-Konstruktion.

Klaus Nonnenbroich, Entwickler im Bereich Cockpit, Struktur und Oberflächen, weiß: "Ein mickriger Kunststoffschalter, der hinter einer großflächigen und stabilen Oberfläche steckt, enttäuscht. Das ist Etikettenschwindel. Ähnlich verhält es sich bei Oberflächen. Sieht ein Oberflächenmaterial wie Aluminium aus, dann muss es auch Aluminium sein."

Eine besonders wichtige Fragestellung ist auch: Erklärt sich die Bedienung aus der Form des Elements? "Wir wollen den Fahrer entlasten. Je weniger er bei der Bedienung der Funktionen im Fahrzeug abgelenkt wird, desto besser", sagt Gerhard Mauter. "Bedienlogik" oder "Blindbedienung" bei neuen Konzepten sollte die Erwartungshaltungen der Kunden berücksichtigen. Die ergeben sich aus gelernten Abläufen und gespeicherten Handlungsmodellen. Der Teamchef bringt es auf einen Nenner: "Wenn der Kunde nichts merkt und sich im Auto wohlfühlt, haben wir unseren Job gut gemacht."