Audi Q5 & Co. Sozialverträgliche SUVs
Kleine Kraxler sind groß im Kommen. Nachdem VW, Mercedes, Audi und BMW mit Blick auf den einträglichen US-Markt erst einmal große Geländewagen entwickelten, machen sie jetzt eine Flotte kompakter Allradler startklar. "Nicht mehr die großen und schweren SUV stehen im Focus. Sondern jetzt werden wieder kleinere Brötchen gebacken", sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics. Noch sind die Ingenieure mitten in der Arbeit, doch im Gerangel um die richtige Positionierung und die beste Startaufstellung hauen die Hersteller bereits kräftig auf die PR-Pauke.
Die lautesten Schläge hört man derzeit von Mercedes. Obwohl das Auto erst in der zweiten Hälfte 2008 auf den Markt kommen wird, lüfteten die Schwaben am Rande einer Veranstaltung überraschend die Schleier über ihrem Offroad-Benjamin: Zumindest einige detailarme und nur für Sekunden eingeblendete Fotos sowie der fertig modellierte Innenraum eines aus Hartschaum gefrästen und mit Argusaugen vom Werkschutz bewachten Prototypen ("Bitte alle Fotohandys ausschalten und nicht berühren!") sollen zeigen, wo sich der Wagen stilistisch einreihen wird. Und den Namen des neuen Modells verriet Mercedes auch: GLK.
Das Typenkürzel macht deutlich, wes Geistes Kind das Modell ist. "Wir wollten keine kleine M-Klasse und keinen weich gespülten, rundlichen Stadtgeländewagen", sagt Pressesprecher Wolfgang Zanker. "Das Auto orientiert sich deshalb ganz klar am klassischen G-Modell und ist kantiger, als viele erwartet haben", sekundiert Designer Achim Parnow und verweist auf den beinahe senkrecht im Wind stehenden Bug mit seinem strengen Kühlergrill, die kaum geneigte Frontscheibe, das gerade Dach und die steil abfallende Rückwand des etwa 4,50 Meter langen GLK. Dazu gibt es eigenwillig geformte Frontscheinwerfer mit aufwendigem Innenleben, die typische "Charakterlinie", die steil die Flanke hinaufläuft und sich am hinteren Ende beinahe mit der Gürtellinie trifft, stark ausgestellte Radhäuser vorn und breite Hüften über der Hinterachse sowie angedeutete Trittleisten und einen prägnant modellierten Unterfahrschutz.
Der Mercedes GLK wird auf C-Klasse-Technik basieren
Zur Technik schweigt Mercedes beharrlich, und den Grundpreis zwischen 35.000 und 40.000 Euro kann man nur schätzen. Doch weil der GLK auf der neuen C-Klasse basiert, braucht es nicht viel Phantasie zur Eingrenzung des Motorenprogramms. Es werden wohl zunächst Vier- und Sechszylinder von 180 bis 280 PS sein und später vielleicht auch der V8-Motor von AMG, die den Wagen über den Schotter treiben. Auch der Allradantrieb kommt von der C-Klasse und muss deshalb ohne Sperren oder Untersetzung auskommen. Dank großer Bodenfreiheit und 20-Zoll-Rädern sollte es für den Benjamin aber trotzdem nur wenige Hindernisse geben.
Mit der ungewöhnlichen Aktion wolle man vor allem das falsche Bild korrigieren, dass nach vielen Computerretuschen durch die Öffentlichkeit geisterte, sagt Zanker. Außerdem habe jetzt die Diskussion um den Namen ein Ende. Und ganz nebenbei ist diese Sneak Preview auch ein Gruß nach Wolfsburg. Schließlich hatten die VW-Leute vor kurzem ebenfalls die Geheimniskrämerei aufgegeben und sich bei den letzten Tests des Tiguan über die Schulter schauen lassen. Rund vier Monate vor der Premiere des kleinen VW-Touareg-Pendants auf der IAA in Frankfurt gab es ein halbes Dutzend Fotos des Autos, die auf sogenannten Abnahmefahrten in Namibia entstanden. Der Effekt: Plötzlich erschien der Tiguan in vielen Medien; und wer bis eben noch einen Toyota RAV4 oder einen Opel Antara kaufen wollte, kam vielleicht doch noch einmal ins Grübeln.
Im kommenden Jahr wird der Audi Q5 debütieren
Ganz anders dagegen die Politik bei Audi in Ingolstadt, wo es derzeit verdächtig still ist. Dabei haben die Bayern angeblich das umfangreichste SUV-Programm auf dem Plan. Spätestens im nächsten Jahr das ist bereits bestätigt wollen sie mit dem Modell Q5 all jene beglücken, denen der mehr als fünf Meter lange Koloss Q7 zu überdimensioniert ist. Noch haben auch die Spione der Fachpresse den Wagen nirgends auf der Straße gesehen. Lediglich Erprobungsträger unter einer wie mit Testosteron aufgeblasenen Karosserie des Modells A4 Avant werden immer mal wieder von den Fotografen "erlegt".
Der kompakte Allradler ist als Beschleuniger für den Wachstumskurs der Marke fest eingeplant. "Um 2008 die Millionen-Grenze zu schaffen, könnten wir einen Q5 gut gebrauchen", sagt Audi-Chef Rupert Stadler. Und weitere Modelle dazu. Wie die aussehen könnten, wurde bereits angedeutet. Etwa vor wenigen Wochen auf der Autoshow in Shanghai, als Audi die Studie "Cross Coupé Quattro" zeigte, die durchaus als Blaupause für den Q3 gelten kann. Das Auto sei "beschlossene Sache", ist zu hören. Und als wären drei Geländewagen nicht genug, halten sich hartnäckig die Gerüchte über einen Audi Q1, der angeblich nach 2010 vom dann neuen Kleinwagen A1 abgeleitet werden soll.
Auch Ford, Opel und BMW planen kleine SUVs
Mercedes, Audi und VW sind auf dieser Bühne aber nicht allein. Der Q5 wurde - und wird? - bei Porsche als Basis für einen Baby-Cayenne namens Roxster gehandelt ein Plan, den die Stuttgarter allerdings heftig dementieren. Bei Ford dagegen spricht man schon ziemlich offen über die Serienfassung der im vergangenen Herbst gezeigten Studie IosisX, die offenbar in Frankfurt als X-Max debütieren soll. Und bei Opel hat der Betriebsrat ausgeplaudert, dass in Antwerpen ab 2010 ein kleiner Geländewagen gebaut werden soll. Bleibt BMW. Die Münchner, so heißt es im Branchenfunk derzeit, würden auf der IAA die Studie eines sportlichen Großgeländewagens namens X6 vorstellen. Und immer wieder mal ist auch von einer "Cross-Over-Variante" des Mini zu hören.
Auf die Frage, warum ausgerechnet jetzt die mittelgroßen Autos in Richtung Gelände stürmen, gibt es für Marktforscher Margetts vor allem eine Antwort: "Auf die Maße der Kompaktklasse geschrumpft, gehen nicht nur Kraftstoffeverbrauch, Schadstoffausstoß und natürlich der Platzbedarf zurück. Die Fahrzeuge werden dadurch auch wieder sozial verträglich und rollen so aus der Kritik."