Audi Q7: Reifeprüfung am Pikes Peak - DER SPIEGEL
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Audi Q7 Reifeprüfung am Pikes Peak

Bei Audi flutscht es derzeit. Gerade meldete das Unternehmen Rekordzahlen bei Absatz und Umsatz für das erste Halbjahr 2006, jetzt schieben die Ingolstädter ein weiteres Informationspäkchen zu ihrem kommenden Modell Q7 hinterher, das auf der IAA Premiere feiern wird.
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Mit Geländewagen hat die Marke Audi bislang keine Erfahrung. Zwar gehören Allrad-Modelle seit 25 Jahren zum Angebot der Ingolstädter, doch darunter war kein Auto, das mit den anderen, typischen Eigenschaften eines Offroaders aufwarten konnte. Das wird sich demnächst ändern: Auf der IAA in Frankfurt (15. bis 25. September) wird Audi das Modell Q7 vorstellen, ein bulliges Mobil vom Schlage der modischen Sport Utility Vehicles (SUV), das gegen die Konkurrenten Mercedes M-Klasse, BMW X5, VW Touareg oder Porsche Cayenne antreten soll. Audi ist ein Nachzügler in diesem Segment, doch das darf man dem Auto keinesfalls anmerken.

Entsprechend umfangreich war das Programm, dass der technische Projektleiter Franciscus van Meel und der Leiter der Audi-Dauererprobung, Martin Brand, sich für das Riesenbaby ausgedacht hatten. In Südafrika und Brasilien, in den USA und Mexiko, auf der Nordschleife und in der Kältekammer des Konzerns bei minus 35 Grad wurden die Prototypen malträtiert. Auf grobem Kopfsteinpflaster, Schotter, Sand und Asphalt - über Bahnübergänge, durch Wasserlöcher und auf Eis wurden die Autos bewegt. Testleiter Brand erklärt, dass etwa 8000 Kilometer auf solchen Teststrecken rund 300.000 Kilometern Laufleistung im realen Autoleben entsprechen würden.

Angesichts der immer wieder aufkeimenden Diskussion um mangelnde Qualität gerade neuer Autos wird es die potenzielle Kundschaft sicher mit interesse vernehmen, wenn ein Hersteller die Güte seiner Erprobung ganz besonders betont. Dazu gehört zum Beispiel auch der so genannte INKA-Test, wobei das Kürzel für "Ingolstädter Korrosions- und Alterungstest" steht. Dabei versuchen die Entwickler, zwölf Autojahre binnen sechs Monaten zu simulieren, und das geht folgendermaßen: In einer speziellen Kammer wird das Auto immer schön abwechselnd bei eisiger Kälte durchgerüttelt und dann wieder extrem starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Zwischendurch wird der Wagen ein paar Stunden mit Salzwasser besprüht, durch Schlammlöcher gefahren oder über Schotterstrecken geprügelt. Das geschieht nach Audi-Angaben alles nur, um mögliche Roststellen zu finden.

Auf der Nürburgring-Nordschleife (33 Links- und 40 Rechtskurven), so hat Testchef Brand ausgerechnet, legten Q7-Prototypen knapp 250 Runden zurück, was ziemlich genau 5000 Kilometern entspricht. Wichtiger für den späteren Alltagsbetrieb der Serienautos dürften jedoch die Prüfungen sein, die bei Audi unter "Stresstests" zusammengefasst werden. Dabei stellen sich die Erprobungsfahrer absichtlich dusselig an, lassen beispielsweise die Scheibenwischer über trockenes Glas rubbeln, schieben Musik-CDs verkehrt herum in den Schlitz, drehen Klimaanlage und zugleich die Fenster auf oder zwei Tester hantieren gleichzeitig auf den vorderen Plätzen an den Tasten.

Die Unternehmensspitze von Audi um Vorstandschef Martin Winterkorn übrigens wählte für ihre Abnahmefahrt - also den entscheidenden Praxistest für das quasi fertig entwickelte Auto - die legendäre Serpentinen- und Bergrennstrecke auf den 4300 Meter hohen Pikes Peak in den Rocky Mountains (US-Staat Colorado). "Pikes Peak", so hieß auch die Studie des Audi-SUV, die erstmals auf der Detroit Motor Show 2003 gezeigt wurde und aus der inzwischen der Q7 wurde. An den Pikes Peak hat Audi beste Erinnerungen: In den achtziger Jahren siegten auf der 21 Kilometer langen Bergaufpiste dreimal Quattro-Modelle. Zuletzt 1987, als Walter Röhrl in der Rekordzeit von 10 Minuten und 47 Sekunden auf den Gipfel raste. Bei allem Respekt, aber ganz so hurtig waren die Audi-Chefs wohl nicht.