Auto-Historie Ein Coupé in Eiche rustikal
Wenn man die Herkunft des Automobils bedenkt, ist der Einsatz von Holz beim Karosseriebau nicht verwunderlich. Zahlreiche Hersteller von Motorfahrzeugen verwendeten als Chassis für ihren neuen Benzinantrieb die bekannten Pferdefuhrwerke aus Holz.
In den USA wurden diese einfachen Fahrzeuge "dock hacks" genannt. In der Regel dienten diese Holzpritschenwagen mit Motor dazu, Reisende vom Bahnhof zu den Hotels zu bringen. In den Jahren 1890 bis 1920 wurden zahllose Varianten dieser Vehikel produziert, von Buick und Ford, Dodge und Chevrolet, Overland und Maxwell und Dutzenden anderer US-Hersteller.
Im Grunde erscheint es paradox: Da erfindet Henry Ford die Massenfertigung von Automobilen am Fließband, und dieser Produktionsprozess war ganz auf die Montage von Metallteilen abgestellt. Dennoch baute Ford den ersten eigentlichen Woody, nämlich die Ford A Station Wagon genannte Kombi-Version im Jahre 1928.
Die Holzindustrie, die viele Jahre Erfahrung mit dem Fertigen von ganzen Karosserien und Karosserieteilen besaß, war einfach präsent, es gab gut eingespielte Lieferverbindungen und Traditionen. So entstanden neben den herkömmlichen Limousinen stets auch Autos mit zum Teil aus Holz gefertigten Karosserien.
In den Nachkriegsjahren ab 1945 erlebten die Woodies mit ihrem Rippenwerk und den Seitenteilen aus Esche oder Ahorn, die zum Teil mit bis zu 60 Schichten Lack überzogen waren, ihren Höhepunkt. Autohistoriker stellen eine schlichte Kausalkette her: Millionen junger GIs kehrten aus dem Krieg zurück, beseelt von dem Wunsch, eine Familie zu gründen. Es folgte ein Babyboom erstaunlichen Ausmaßes, und folglich kamen Kombimodelle, also Station Wagons, groß in Mode. Mit den Kombis aber erlebte der Einsatz von Holz als Karosseriebaustoff eine Renaissance. Vor allem Ford und Chrysler, etwas weniger auch General Motors, taten sich beim Bau der seltsam nostalgisch und zugleich edel wirkenden Blech-Holz-Zwitter hervor.
Weil Woodies in waren und zum Statussymbol avancierten, kamen feine Holzfurniere schließlich auch bei Coupés und Cabriolets zum Einsatz, selbst nach Europa schwappte die Holz-Euphorie in den fünfziger Jahren. Allerdings war mit ihrem Boom bereits das Ende der Holzfahrzeuge in Sicht. Eine herkömmliche Metall-Autotür kostet in den USA Ende der vierziger Jahre rund 75 Dollar, eine Tür auch Holz bis zu 300 Dollar.
Dazu kam, dass Holzteile sorgfältig gepflegt werden mussten und im Falle eines Unfalls die Reparaturkosten bei Holzautos deutlich höher ausfielen. Denn dann war stets ein Spezialschreiner gefragt, während verbeultes Blech nahezu jeder wieder gerade klopfen konnte.
Ein letztes Aufflackern der Woody-Ära war Anfang der sechziger Jahre in Kalifornien zu beobachten. Dort suchte die erste Generation von Beach-Boys, junge Menschen, die sich vornehmlich mit Surfen und Partys beschäftigten und kaum Geld besaßen, günstige Transportmittel. Sie fanden die vielfach schon leicht modrigen Woodies in Scheunen und Hinterhöfen: Ideale Autos mit skurriler Optik und viel Platz für Surfboards, falls es Station Wagons waren.
Bis heute überlebt haben nur wenige Woody-Exemplare. Acht Modelle mit Holzverkleidungen und -panten in bestem Zustand werden in Halle C des Genfer Auto-Salons in einer Sonderausstellung gezeigt: Ein Chevrolet Fleetline, ein Mercury Station Wagon, ein Chrysler Town & Country, ein De Soto Station Wagon, ein Nash Ambassador, ein Ford Sportmen und zwei Fahrzeuge aus europäischer Produktion, nämlich ein Lancia Aurelia und ein Fiat 500 Giardiniera.